Gisbert Kranz an seine Eltern, 6. Februar 1944

6.II.44.

Liebe Eltern!

Herzlichen Dank für Euren Brief vom 30.I. Die Weihnachtspakete habe ich noch nicht bekommen. – Vorgestern erhielt ich einen Brief zurück, den ich vor drei Monaten an Ferdi schickte. Gestern kam ein Brief von Ferdis Braut, den ich mit andern Briefen beifüge.

Vaters Hoffnungen muß ich leider enttäuschen. Natürlich steht meine Strafe in den Papieren, freilich wird sie aber nach einem Jahr gelöscht. In den Wehrpaß wird sie ohnehin nicht eingetragen, sodaß ich diesen Flecken in mein ziviles Dasein nicht mitnehme. Es wäre mir übrigens auch völlig gleichgültig. Was meine Frontbewährung betrifft, so ist allerdings meine Zeit jetzt um. Wenn ich nicht von der Liste der Offz. Anw. gestrichen wäre, würde ich jetzt zur Kriegsschule kommen. Doch nun bleibe ich dauernd

bei der Feldtruppe, und da es mir hier in der Einheit nicht gefällt (obwohl ich manche Annehmlichkeiten habe) und vor allem die Aussicht auf eine Invasion mich mit Unbehagen erfüllt, weil ich die Verteidigung in einem starren System von Fortifikationen verabscheue, ziehe ich es vor, an der italienischen Front zu kämpfen. Außerdem hoffe ich, auf diese Weise wieder zur motorisierten Truppe zu kommen. Ich lese jetzt ein ausgezeichnetes Buch über Italien, um mich seelisch schon auf die Fahrt zum Süden (die im vergangenen Jahre fehlschlug) vorzubereiten. Doch schrieb ich Euch schon, daß ich mit meiner Versetzung warten will, bis ich Urlaub gehabt habe, da ich Karlheinz, Ferdi und Heinz Stimpel (der im März zu Hause zu sein hofft) noch einmal treffen möchte. – Herzl. Grüße

Euer Gisbert

Nb. Ich schickte gestern außer einem Päckchen für Vater noch ein Paket mit Büchern.