Gisbert Kranz an seine Eltern, 16. August 1944
16.VIII.1944.
Meine lieben Eltern!
Soeben habe ich eine Kiste eigenhändig zugenagelt, die morgen die Reise zu Euch antreten wird und von der ich hoffe, daß sie unbeschädigt in Eure Hände gelangt. Denn sie enthält Dinge, die es in Deutschland nicht mehr zu kaufen gibt. Vor noch nicht drei Stunden erfuhr ich, daß sich mir die Möglichkeit bietet, größere Güter nach Deutschland zu schicken, daß der betreffende Zug aber schon morgen vormittag von B. abfährt. Da ich selbst keinerlei überflüssige Sachen mehr besitze, die ich nach Hause schicken könnte, da ich mein Gepäck immer leicht zu halten bestrebt bin, glaubte ich zunächst, von dieser einmaligen Transportgelegenheit keinen Gebrauch machen zu können. Dann dachte ich aber an das bevorstehende Fest Eurer Silbernen Hochzeit, und sofort organisierte ich Euch einige Dinge, die es Euch ermöglichen werden, auch im sechsten Kriegsjahr die Silberhochzeit noch gebührend zu feiern. Ich erstand also:
1 Flasche Liqueur dite des Moines;
1 Flasche Armagnac/Extra fin;
1 Flasche Crème de Noisettes;
1 Flasche Elixier/Extra fin/Liqueur de table;
1 Flasche Öl
1 große Tafel Vollmilchschokolade mit ganzen Nüssen und 1 Kiste mit 50 Zigarren.
Ich freue mich, Euch zum Familienfeste auf diese Weise noch etwas Gutes zukommen lassen zu können. Morgen werde ich selbst mit einem Gespann nach B. fahren, um die Kiste zur Bahn zu bringen. Ich habe das Ganze zu 200 M versichern lassen. Die Gebühr dafür muß der Empfänger bezahlen. – Ferner schickte ich gestern in zwei Paketen sechs Tafeln Schokolade, Briefe und Aufzeichnungen und die ersten beiden Teile meines Romanmanuskriptes. Ich hoffe, daß alles wohlbehalten und richtig an Euch gelangt.
Später mehr. Für heute herzliche Grüße und die besten Wünsche von
Eurem Gisbert
Nb. Gern hätte ich der Kiste noch ein paar Zeilen beigefügt, aber die Zeit war zu knapp.