Gisbert Kranz an seine Eltern, 21. November 1944
erh. 29. Jan. 46.
21.XI.44. Meine lieben Eltern! Jetzt schon meine innigsten Glückwünsche zum Geburtstage Mutters. Möge sie ihn gesund und froh begehen können! Mir selbst geht es gut. Ich habe sogar einige Kumpels von der alten Kompanie hier wiedergetroffen. Nur benötige ich einige Dinge, da ich von meinen Sachen nichts mehr besitze. Schickt mir bitte: Schreibhefte, Kopier- und Bleistifte, Anspitzer, Schuhbürsten, Lappen, Spültuch, Taschentücher, Rauchwaren, Handwaschbürste, von meinen Büchern Hankamers Literaturgeschichte, Hagemanns Philosophie, eine Taschenausgabe des Neuen Testaments, Fotos von Euch. Legt aber diesen Paketen keine Briefe bei, da sonst ihre Zustellung sich verzögert. Schreibt Eure Briefe möglichst in lateinischer Schrift. Weiter Auskünfte durch das Rote Kreuz. Gebt mir bitte die Adressen meiner Brüder und Freunde. Und teilt allen Bekannten mit herzl. Grüßen von mir meine Anschrift mit, vor allem Dresen, Kiel, Dr. Gaillard, Frölich. Über die Trennung, von der wir nicht wissen, wie lange sie dauert, hinweg verbinde uns die Liebe und das gemeinsame Wollen. Inzwischen bin ich nicht untätig, und Langeweile werde ich nicht haben. – Nach den Entbehrungen des Feldes ist jetzt Zeit für mich, wieder Spießer zu werden. Schickt mir drum auch Socken, Waschlappen, und Pantoffel. Herzl. Grüße Euer Gisbert.