Gisbert Kranz an seine Eltern, 16. April 1945
erhalten am 25. Oktober 1945.
16.IV.1945. Meine lieben Eltern! Was ich im Augenblick fühle, läßt sich nicht aussprechen. Da ich über den Grad Eurer Not nichts weiß, kann ich Euch kaum etwas dazu sagen. So schreibe ich Euch einfach über meine Verhältnisse, damit Ihr meinetwegen wenigstens beruhigt seid. Es geht mir leidlich. Ich habe unter vielen schlechten auch einige gute Kameraden, Gleichgesinnte und edle Menschen. Von dem, was ich habe, gebe ich andern mit in Form von Vorträgen und Unterrichtskursen. So liegen meine Kräfte auch hier nicht brach, und gleichzeitig wirke ich in diesem Kreise Gutes. Der Zulauf zu meinem Lehrgang „Einführung in die Philosophie“ ist überraschend groß. Der Hinweis auf die ewigen Werte ist in dieser Zeit, wo so vieles Vergängliche zusammenbricht, doppelt wichtig. Auch einige wissenschaftliche und poetische Arbeiten sind inzwischen wieder entstanden. – Herzliche, innige Grüße, auch an die Brüder und an alle Freunde Euer Gisbert.