Gisbert Kranz an seine Eltern, 3. März 1946
erh. 23.3.46
3.III.46 Liebe Eltern! In Northwich traf ich einige Theologiestudenten und acht Geistliche, mit denen ich in ernsten und heiteren Konveniats saß. Sylvester 1944 verbrachte ich mit einigen Leuten aus Steele und Umgebung, darunter Hölter vom Laurentiusweg, der mit Karl und Günter auf der Laurentiusschule war. In Holywood fand ich eine Reihe wackerer Männer (Doktoren, Studenten, Handwerker, Beamte), mit denen ich alsbald Freundschaft schloß. Von dem Kriegspfarrer Peitz aus Soest schrieb ich Euch schon. Einer der edelsten Menschen, die ich sah. Nach 14 tägiger Bekanntschaft durfte ich ihn duzen, obwohl er 13 Jahre älter ist als ich. Mit ihm war ich acht Monate zusammen. Dann kam ich nach Ripon, wo ich auch einige sympathische Menschen fand, doch keinen, dem ich mich freundschaftlich verbunden fühlen kann. So bin ich hier recht einsam; doch das ist gut für mich. In Stille bereite ich mich auf die Zukunft vor. Gelegentlich traf ich auch noch Bekannte, mit denen ich früher in einer Einheit war, auch solche, deren Vorgesetzter ich war. Das gab jedesmal ein frohes Wiedersehen und Erzählen. – Nun arbeite ich beim Bauern. Dieser Tage Schweineställe ausgemistet, dabei an Holtmann gedacht. Grüßt ihn! – Obwohl ich nur meine nackte Haut in die Gefangenschaft brachte (und die noch nicht einmal ganz), besitze ich jetzt wieder sechs Bücher. Meine Manuskripte füllen einen Karton – etwa 1000 engbeschriebene Seiten. – Hoffentlich übersteht Ihr die kommende, unfreiwillige Fastenzeit. Nun gehe ich zur Sonntagsmesse, Eurer zu gedenken. Wir essen vom gleichen Brote, in dem wir vereinigt sind und gesättigt werden. In Liebe Euer G.