Gisbert Kranz an seine Eltern, 1. März 1947

1. März 47. Meine Lieben!

Das ist nun der letzte Brief, den ich Euch in vinculis schreibe. Noch eh der Frühlingsvollmond eintritt, bin ich bei Euch. Schon taut es seit drei Tagen, der Schnee, das Eis weichen, die Sonne leuchtet warm auf dieses Blatt. Immer habe ich mir die Rückkehr in die Heimat nur im Lenz vorstellen können, wann alle Dinge und auch mein Leben neu beginnt. Auf Mutters Plätzchen freue ich mich, und ihr braun gebliebnes Haar streicheln zu dürfen, male ich mir jetzt schon aus. Altes Herz wird wieder jung – so tanzt dann eine Matrone wie ein Backfisch hüpfend im Zimmer herum und schwenkt den überwältigten Papa, der Großvater sein könnte, wäre der Krieg nicht dazwischen gekommen. Man ist so alt, wie man sich fühlt, und ich bin glücklich, daß Ihr Euch noch jung fühlt, trotz mancher körperlichen und seelischen Schmerzen, die ein jugendfrisches Herz aber schließlich überwindet.

Das weitere mündlich – in Küssen und Worten. Auf Wiedersehen! Euer Gisbert

Seid bedankt für Eure Briefe vom 16. u. 18.II.