Gisbert Kranz an seine Eltern, 4. August 1946
Ripon, den 4.VIII. Meine lieben Eltern. Für Eure Briefe vom 7. u. 21.VII. danke ich. Ihr scheint ja dessen sehr sicher zu sein, daß ich bald nach Hause komme; ich möchte von Herzen gerne, daß Euer Wunsch (und auch auch mein Wunsch) in Erfüllung geht. Doch die Versicherung eines höflichen britischen Subalternoffiziers, er habe das Gesuch dringend befürwortet weitergeleitet, ist noch keine Gewähr dafür, daß das Gesuch bei der entscheidenden Instanz positiven Eindruck macht. Nun fürchte ich, Ihr werdet meinen, ich legte garkeinen Wert darauf, so bald nach Hause zu kommen. Dem ist keineswegs so. Ich brenne darauf. Aber ich sehe die Dinge realistisch. Die maßgebenden Behörden rechnen mit den PoW als mit Arbeitskräften, nichts als mit Personen, mit Menschen, die sich nach ihrer Familie sehnen. Wäre ich krank und nicht arbeitsfähig, so wäre ich sicher schon zu Hause, wie Becker und viele andere. Dann könnte ich aber auch Euch nichts nützen. Ihr würdet mit dieser Meinung, ich wollte garnicht nach Hause, ebenso irren wie Ihr mit der Ansicht, ich dächte nicht an Fritz, im Irrtum seid. Ich bedenke viel mehr als ich Euch schreibe, und wenn ich Fritz nicht erwähne, bitte ich Euch, nicht daraus zu schließen, ich dächte nicht an ihn. – Nun, liebe Eltern, wartet in Geduld. Gott wird es recht machen. auch wenn er unsre Wünsche nicht erfüllt. In Liebe und Verehrung grüßt Euch Euer Gisbert