Gisbert Kranz an seine Eltern, 18. August 1946
18.VIII.46. Meine lieben Eltern! Daß ich nun doch noch nicht von den Leiden der Gefangenschaft erlöst werde, trifft mich wohl härter als Euch. Doch wird Euer Schmerz darüber stärker sein als meiner, da Ihr seit Monaten so fest auf meine Heimkehr gehofft habt. Darum denke ich jetzt nicht an mein Schicksal, sondern an das Eure. Ich hoffe, daß Ihr auch ohne mich eine Lösung Eurer Schwierigkeiten finden könnt. Ist es nicht möglich, durch Arbeitsamt oder Militärregierung eine erfahrene Kraft fürs Geschäft zu bekommen? – Nun fügt Euch in das Unvermeidliche und hadert nicht mit Gottes Willen. – Hier ist der Text für Karls In Memoriam:
Karl Heinz Kranz
* 8.IV.1924 in Steele
+ 28.II.1945 in Hoheneichen
Ein wackerer Soldat, viermal verwundet und mehrfach ausgezeichnet, fiel er im Glauben, für eine gute Sache zu kämpfen, auf deutscher Erde in einem Gefecht gegen Bolschewisten. Tüchtig im Beruf, voll Eifer für das Gottesreich und zielbewußt an seiner eigenen Vervollkommnung arbeitend, war er ein Jüngling von adeliger Gesinnung. – Wir bitten die Freunde des Toten, von Beileidsbesuchen Abstand zu nehmen und stattdessen am Requiem (... Zeit u. Ort ...) sich zu beteiligen. Familie G. Kranz. – Wenn der erste Satz für die Zeitung nicht geeignet ist, laßt ihn nur in den privaten Anzeigen drucken. Auf jeden Fall ein Kreuz darüber und Ev. Joh. XII, 24-25 und Ev. Joh. XV, 13. – Gott hab’ ihn selig! Vor vier Jahren sah ich ihn zum letzten Mal. Euer Glaube mache Eure Trauer linde. Liebevollen Gruß, Euer Gisbert.