Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 22. Oktober 1942

Herford, den 22.X.42

Meine Lieben!

Ich habe Euren Brief und das Paket mit Brief erhalten. Besten Dank für die prompte Erledigung meiner Wünsche und die „Futteralien“. Das Obst ist ziemlich gut erhalten angekommen. Die Turnschuhe und 2 Kleiderbügel, die ich nicht benötige, schicke ich später mit dem Koffer zurück, sobald wir dazu Befehl bekommen. Das Paket war tadellos verpackt, worüber mein Kamerad staunte. Inzwischen werdet Ihr auch meinen Brief mit den neuen Wünschen erhalten haben. Sei mir nicht böse, liebe Mutter, daß ich schon wieder forderte, aber in der Rekrutenzeit hat man noch manches nötig, woran man vorher nicht dachte. Du brauchst Dir ja nicht soviel Arbeit mit dem Verpacken zu machen, und mit Süßigkeiten bin ich ja vorläufig auch eingedeckt, wofür ich nochmals danke. Und nun zu den Briefen. Aus ihnen klingt heraus, daß Ihr glaubt, mir fiele es hier beim Kommiß schwer.

Ich kann Euch aber mitteilen, daß ich mich ganz gut eingelebt habe. Bis jetzt war es auch noch auszuhalten. Ab morgen sind die Ausbilder, die bisher z. T. als K.O.B.s geschult werden, alle zu unserer Ausbildung zur Verfügung. Dann geht’s scharf her. Morgen werden wir zum ersten Mal ins Gelände gehen auf den bei uns berüchtigten Stuckenberg.

Vater fragt nach Willi Jüngst. Er ist im Fahrerzug unserer Kompanie und wird wahrscheinlich ab 1.XI. in den Stall kommen. Tante Aloysia ist um meine Ernährung besorgt. Heute bekamen wir folgendes Essen (Vereidigung!): Nudeln, Salzkartoffeln (im Gegensatz zu Pellkartoffeln, die wir sonst immer bekommen und selbst pellen müssen), Fleisch, Soße, Pudding. Weiter gab es heute mit dem Verpflegungsempfang (1/3 Kommißbrot, 80 g Wurst, 175 g Kunsthonig) ½ R. Drops. Sonst bekommen wir entweder Butter und Wurst oder manchmal Kunsthonig. Ich komme mit meinen

Rationen aus. Dreimal wöchentlich bekommen wir abends noch außer der Ration warme Küche. Ich schlag mir natürlich soviel herein, wie es eben geht. Den nötigen Hunger hat man schon dazu.

Günter danke ich für die pünktliche Erledigung meines Auftrages. Übrigens liegt in meiner Kompanie im Fahrerzug Dein Berufsschulkamerad Fritz Schulz aus einer Gelsenkirchener Eisenwarenfirma, der immer Zinkeimer verschob nach seiner eigenen Angabe! Ich soll Dich von ihm grüßen.

Der Notizblock ist in Ordnung. Ich kann ihn gut gebrauchen. Ich bitte noch, mir in einem Brief mal ein paar Hosenknöpfe zu schicken.

Fritz soll man nur nicht so tun mit seinem „sehr wenig Zeit“. Beim Kommiß kannst Du sagen: die Zeit ist knapp, aber nicht eher!

Bezüglich Kameraden kann ich nur schreiben, daß ich noch keinen Gleichgesinnten gefunden

habe. Auf der Stube liegen außer dem Stubenältesten mit mir 8 Mann. Ein ehemaliger Stamm- und Jungstammführer, einige andere, die sich um die Kirche nicht mehr kümmern bis auf einen, mit dem aber nichts los ist. Das ist aber alles nicht so wild, denn ich komme mit allen gut aus. Übrigens sind alle aus Rheinland und Westfalen. – Ihr staunt sicher, daß wir heute schon nach 8 Tagen ausgeführt wurden; ich auch! Nächsten Sonntag werden wir wahrscheinlich noch einmal ausgeführt und können dann selbständig ausgehen.

Ich könnte noch viel von hier schreiben, doch fehlt es mir an Zeit. Mir geht es jedenfalls gut.

Seid alle herzlich gegrüßt von

Karl Heinz

Bitte schickt mir brieflich ein paar Bogen Schreibmaschinenpapier aus meiner rechten Schublade (ganz zu unters).

K. H.