Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 6. Dezember 1942

Frankreich, den 6. Dezember 42

Meine Lieben!

Endlich finde ich Zeit, Euch ausführlich zu schreiben. Zunächst danke ich Euch für Eure Briefe und für Mutters Päckchen. Es hat mir alles gut geschmeckt. Ich habe in Herford ein Päckchen fertiggemacht und per Expreß nach Hause geschickt. Inzwischen werdet Ihr es wohl bekommen haben, denn ich gab es am Montag schon auf. Dann bekam ich vom Kotten zwei feine Weihnachtspäckchen, wovon ich einen Teil nach Hause schicken mußte, da wir ja kein Paket mit nach hier nehmen durften. Ich habe dieses Päckchen einem Kameraden gegeben, der es sobald wie möglich zur Post bringen wollte (wahrscheinlich heute). Dann habe ich gerade ein Paket fertig gemacht, daß ich mit gleicher Post wegschicke. Darin sind ein Nachthemd, ein Paar gebrauchte Strümpfe, ein schmutziges Taschentuch und Rauchwaren für Vater. Ich werde Vater meine Rauchwaren immer zuschicken, denn ich kann sie doch nicht verwerten. Die Wäsche kann zu Hause bleiben, denn man muß

hier mit möglichst wenig Sachen auskommen. Alles muß im Falle eines Alarms schnell im Affen sein, und wir müssen marschfertig stehen. – Schreibt mir bitte Günters Anschrift. – Bezüglich der Vorladung der Gestapo braucht Ihr Euch nicht zu sorgen. Wegen der Altenberg-Sache kann mir jetzt niemand mehr an den Kragen. Die Abschrift lege ich bei und bitte um Aufbewahrung.

Und nun etwas aus meiner neuen „Heimat“. Alles kann ich nicht berichten, da mir die Zeit fehlt. Wir sind hier in einem kleinen Dorf einquartiert, d. h. nicht, bei Privatleuten untergebracht, sondern in leerstehenden Häusern und Baracken. Von den Rekruten hat unsere Gruppe die beste Stube, denn wir liegen in einem Haus, während die anderen in Baracken wohnen. Wir hausen mit 16 Mann in einer Stube. Es ist natürlich ziemlich eng, aber man weiß sich schon einzurichten. Spinde haben wir natürlich nicht. Unsere Sachen sind im Affen und ein kleiner Teil am Bett auf einem Brett am Kopfende. Allen Luxus und alles Überflüssige muß natürlich verschwinden. In der Mitte unserer Stube ist ein großer

Kanonenofen, der uns prima heizt. Wir haben uns hier erst alles einrichten und herrichten müssen, z. B. haben wir uns Kleiderbügel aus Holz geschnitzt. Fließendes Wasser gibts im Ort nicht. Unser Wasser haben wir von einem Bach oder von der Pumpe in unserem Haus. In mancher Hinsicht ist es hier ziemlich primitiv. In der Kaserne hatten wir es bedeutend besser. Aber ich bin zufrieden, denn lieber hier in Frankreich als in Rußland. Wir werden hier bis zum 14. Januar weiter ausgebildet. Bis März sind wir bestimmt noch hier, wenn nicht noch viel länger. Morgen geht der richtige Dienst los. – Heute

morgen hatten wir Militärgottesdienst. Generalabsolution, Kommunion. Unser Schwadronsführer (Oberleutnant) ging mit den meisten Kirchgängern kommunizieren. – Pakete könnt Ihr mir erst nach Aufheben der Sperre schicken, also nach Weihnachten, während ich beliebig oft 2-Pfundspäckchen zu Euch schicken kann. Wenn Ihr Schuhkreme, Backpulver, Vanillezucker, Zahnpaste gebrauchen könnt, schicke ich sie Euch. Für heute Schluß.

Frohe Grüße, Euer Karl Heinz.

Ich bitte um Klebeadressen und Feldpostkarten

Ich bin neuen Kameraden zusammen, die aus allen Gegenden kommen. – Weihnachten wird es hier allerhand zu futtern geben, so daß wir auch ohne Pakete von daheim fein feiern und leben.