Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 3. Januar 1943
Frankreich, den 3.I.43
Meine Lieben!
Ich danke Euch recht herzlich für die Karte, die Briefe, Karten, Feldpostbriefe. Lederfett und Bürste sind noch unterwegs; heute kann ich aber das Geld abholen, wofür ich nochmals bestens danke.
Von unserem traurigen Neujahr schrieb ich schon. Abends war das Geld gesammelt worden, aber der Dieb ist noch unbekannt. – Sonntag nach Weihnachten hatten wir Kirchgang. Ich konnte kommunizieren und beichten. Donnerstag (31.XII.) war wieder Gottesdienst, doch wurde die hl. Kommunion nicht ausgeteilt. Heute waren wir wieder zur Kirche, doch mußten wir unverrichteter Dinge abziehen, da kein Geistlicher kam. – Nun zu Euren lb. Briefen: Mutter schreibt, die Rolladen würden gemacht. Bekommen wir jetzt richtige Holzrolladen? Und an allen Fenstern? – Wie ich an die Pralinen komme, liebe Mutter? Ich habe sie selbst geschenkt bekommen in den Weihnachtspaketen vom Kotten. – Der Christstollen, dessen Rest ich heute genoß, war einfach herrlich. Ebenso das Marzipan. Gönne Dir, liebe Mutter, aber auch selbst mal etwas und schicke nicht alles weg. Du magst doch viel lieber Marzipan als ich. – Günter soll ja, wie er mir schrieb, in diesen Tagen versetzt werden. Sobald Ihr seine neue Anschrift kennt, schreibt sie bitte.
Lieber Vater, Reichskreditscheine kann ich nicht gebrauchen, wie ich Dir schon schrieb. Ich habe vorläufig auch genug Moneten nach der Auffrischung. Es freut mich, daß Ihr so schön Weihnachten feiern konntet. – Lieber Gisbert, Du warst doch in Rußland bei einer M.G.K. Wie kommt es denn, daß Du zuletzt in D. bei der Schützenkompanie ausbildetest? Ich wollte Dich das schon immer fragen. Dank für Deine Zeilen. – Liebe Patentante, ich danke Dir für das leider zurückgegangene Päckchen und Deine lb. Zeilen. Hoffentlich geht es Dir noch gut. – Lieber Fritz, Dein Bericht hat mich gefreut. Mich interessiert es, welche Bücher Du bekommen hast (Titel, Verfasser). Für Dein Geschenk meinen besten Dank. Schade, daß ich Dir Lausebengel keine langen kann. Kritisiert dieser Hanake meine Künstlergebärden! Wie steht es eigentlich mit Deinem Studium? – Besten Dank, lieber Vater, für die prompte Erledigung meiner Wünsche! – Anbei zwei Zulassungsmarken (Zuteilung für Januar). Falls Mutter unbedingt noch einen nachträglichen Weihnachtskuchen schicken will, obwohl das garnicht nötig ist, dann bitte nur unter Verwendung einer Zulassungsmarke. Die Zweite laß bitte in Reserve für besondere Fälle (Wünsche meinerseits). Dann möchte ich bitten, mir vorläufig keine Büchlein zuzuschicken. So gerne, wie ich mal etwas Feines und Gutes lese, muß ich unter den augenblicklichen Umständen doch
darauf verzichten wegen Platzmangel. Unser ganzes Hab und Gut muß im Affen verstaucht sein, und da ist jeder Quadratzentimeter ausgenutzt. Ich schicke heute schon wieder ein Päckchen nach Hause mit „überflüssigen“ Dingen. Man muß sich auf das Allernotwendigste beschränken. Ich schicke alte Post, das Schachspiel, eine Zigarre für Vater und Zigaretten für Gisbert und Vater (teilweise Marketenderware, teils Verpflegungszigaretten). Ich bitte Mutter, mir ein Paar Fußlappen zu schicken, falls sie noch Stoff dazu hat.
Mir fehlt die Zeit, mehr zu schreiben.