Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 24. Januar 1943
Frankreich, den 24.I.43.
Meine Lieben!
Ich danke recht herzlich für das „Freßpaket“, daß ich am Mittwoch bekam, sowie für die beiden 100 g-Päckchen mit Bonbons, die gestern ankamen. Die Stärkungen kann ich gut gebrauchen. Es schmeckt alles vortrefflich. Ebenso danke ich für Mutters Brief und Vaters Zeilen. Die Zulassungsmarke ist leider nicht mehr verwendbar, sie war zu gut abgestempelt. Wenn Ihr über die Marke die Kordel schnürt, wird diese meistens auch vom Stempel verschont. Das sind so Kniffe, die man bei den Preußen lernt. – Von Günter erhielt ich aus Frankreich beiliegende Karte. – Fritz hat sicher Glaubensstunde bei Studienrat Nüßlein, von dem ich schon viel Lobendes gehört habe. – Es ist bedauerlich, daß Euch die Flieger dauernd belästigen. Hoffentlich habt Ihr außer den Fensterscheiben sonst nicht noch Schäden erlitten. Der Krieg wird immer schlimmer, je länger er dauert. Vorgestern war hier eine große Zahl von Fliegern zu beobachten. Öfter kann man hier Luftkämpfe beobachten. Sonst sieht man hier mehr Tommys als eigene Flugzeuge. –
Seit einer Woche bin ich nun kein Rekrut mehr. Der Dienst geht aber gleich stramm weiter. Am Freitag kamen
der katholische und der evangelische Divisionspfarrer und hielten eine Kasernenstunde (Glaubensstunde). Der Divisionspfarrer ist ein feiner münsterländer Herr. Er hat das E.K. II, den Winterorden und das Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern. Nächsten Sonntag hält er hier Gottesdienst. – Gestern sah ich den Film: „So ein Früchtchen“. – Sonst gibt es von hier nicht viel zu schreiben. Morgen abend werde ich zum ersten Mal auf Wache ziehen.
Die Fußlappen, die Mutter mir vor kurzem schickte, sind aus ziemlich schwachem Stoff. Sie werden nicht lange halten. Wenn Du, liebe Mutter, bessere auftreiben kannst, so verwahre sie für mich, bis ich wieder darum schreibe. Sie können ruhig etwas kleiner als die letzten sein.
Heute schicke ich ein Paket zu Euch mit einem Paar Strümpfe, 4 Taschentücher, einem Spiegel und den beiden Büchlein. Ich muß möglichst wenig eigene Sachen haben, damit im Alarmfall alles schnell verpackt ist. Gestern nacht hatten wir wieder Übungsalarm. – Ich habe nun noch ein Paar eigene Strümpfe und drei Taschentücher an Wäsche.
Wundert Euch nicht, wenn ich nicht mehr so häufig schreibe. Ich habe nur wenig Freizeit, sogar sonntags. Heute war z. B. noch Schießen und Fahrradreinigen.
Euch allen frohe Grüße,
Euer Karl Heinz.
Bitte schickt ein paar Klebeadressen.