Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 7. März 1943
Rußland, den 7.III.43.
Meine Lieben!
Nach 6-tägiger Bahnfahrt sind wir endlich am Bestimmungsort angekommen. Ich habe mich gewundert, daß es so schnell ging, da man sonst immer von längeren Transporten hörte. Wir lagen mit 34 Mann in einem Viehwagen. Trotzdem es ziemlich eng war, haben wir nachts alle liegen können. Es waren 6 faule Tage. Unser Weg führte durch Belgien, Holland, über Osnabr., Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Ober-Schlesien, Polen (Lublin), Ukraine (Kiew, Poltawa) bis zu einer Station einige zig Km hinter Poltawa. Gestern abend wurden wir ausgeladen und marschierten mit den Rädern an der Hand in der Nacht noch ca. 20 km, bis wir in dieses große Dorf kamen. Die Verpflegung ist ausreichend. Das Wetter: Es liegt noch der restliche Schnee des vergehenden Winters. In einer Woche wird alles wegschmilzen, und in drei Wochen beginnt die trockene Zeit, also der Sommer. Dazwischen liegt noch die Schlammperiode. Vor ihrem Ende
kommen wir wohl nicht zum Einsatz. Kalt ist es kaum noch. – Vom Sonntag merkt man hier natürlich nichts. – Ich habe hier ein prima Quartier. Wenn wir immer so gut unterkommen, kann ich mich nicht beklagen.
Nun werde ich lange auf die erste Post von Euch warten müssen, wie Ihr auch lange auf den Brief warten müßt. Schicken könnt Ihr mir vorläufig ja nichts mehr, bis die Sperre aufgehoben ist. Ihr könnt mich aber sehr erfreuen, wenn ich regelmäßig Post von Euch bekomme, vielleicht zweimal wöchentlich. Post braucht der Soldat wie das tägliche Brot. –
Wie wir auf der der Bahnfahrt hörten, gehen unsere Truppen wieder zum Angriff über. Wir haben alle die feste Hoffnung, daß in diesem Sommer der Krieg in Rußland zu Ende geht. Es werden überall frische Kräfte angesetzt, und bald geht es mit Macht los. Betet Ihr daheim für uns, dann wird alles gut werden.
Mit fester Zuversicht grüße ich Euch herzlich,
Euer Karl Heinz