Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 11. April 1943

Rußland, den 11.IV.43.

Meine Lieben!

Gestern erhielt ich Euren Brief vom 27.III. und einige Zeitungen, wofür ich vielmals danke.

Endlich habt Ihr also die erste Post von mir bekommen. Hoffentlich reißt nun die Verbindung nicht mehr ab. Eure Post ist durchschnittlich 14 Tage unterwegs.

Ich kann mir gut vorstellen, liebe Mutter, wie Du wieder schwer im Hausputz gewirkt hast. Hoffentlich gönnst Du Dir, wenn Gisbert jetzt zu Hause ist, auch die verdiente Ruhe. Fritz hat ja Pech mit seiner „Erholungsreise“. Na, wenn es Dir, lieber Fritz, nicht schlechter geht als mir, dann kannst Du noch zufrieden sein. – Ernst Maurer, der vor kurzem Gefreiter wurde, ist immer noch in unserem Zug.

Wir werden voraussichtlich noch lange hier liegen bleiben, denn morgen beginnt hier ein dreiwöchentlicher Unterführer-Lehrgang. 12 Tage sind wir schon in diesem Dorf. In einem Punkte ist dieses Dorf das schlechteste Quartier, was wir bisher in Rußland hatten: Im Punkto Organisieren. Darunter verseht der Landser das Beschaffen der für ihn nützlichen Dinge, besonders was Futteralien anbelangt. Es ist erstaunlich, welche Kochkünste der Landser hier in Rußland entwickelt, welche neuen Rezepte er sich ausdenkt und ausprobiert. Ich muß Euch später mal davon erzählen, es lohnt sich. Vorgestern hatten wir ein Huhn im Topf, und gestern machten wir uns Reibekuchen. Sonst ist es hier aber mit dem „nebenbei“ dünn. – Gestern gab es für die kämpfende Truppe 80 g Mauxion-Schokolade, die aber nicht von der besten Qualität war. Übrigens war es die erste Schokolade hier in Rußland.