Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 25. April 1943
Ostern 1943
Meine Lieben!
Zunächst muß ich mich bedanken für die Karte aus Rheindahlen, sowie Mutters Brief vom 13. d. M. und vor allem für die beiden Osterpäckchen, die Karfreitag und gestern hier eintrafen. Ich habe sie gerade geöffnet und bin über ihren Inhalt sehr erfreut. Der Kuchen wird heute nachmittag bei einer Tasse Bohnenkaffee verzehrt. Letzteren bekommen wir regelmäßig von Zeit zu Zeit. Wir brauen uns ihn selbst. Die Plätzchen, Pralinen usw. kommen morgen dran, während die Wurst im Laufe der nächsten Tage in die ewigen Jagdgründe wandert. Ich habe mich riesig über alles gefreut und danke nochmals recht herzlich dafür.
Wenn ich nun schildere, wie ich heute morgen gelebt habe, werdet Ihr staunen. Zunächst haben wir uns einmal gründlich ausgeschlafen, denn in der letzten Woche waren wir jeden Morgen um
¼ 5 Uhr aufgestanden. Dann habe ich mich gebadet, und nachdem alles für ein festliches Frühstück fertiggemacht worden war, setzten wir uns an den Kaffeetisch. In der Mitte stand ein Strauß Weidenkätzchen, daneben eine Schüssel feiner Plätzchen. Auf zwei Tellern lagen die gekochten Ostereier, und jeder hatte einen halben Korintenstuten an seinem Platz liegen. Dazu tranken wir Tee. Da staunt Ihr, was? Wir bekamen alle 4 Eier, fast 1 Pfd. Plätzchen und dazu den feinen halben Korinthenstuten.
Und nun sitze ich am Tisch und schreibe. Draußen steigert sich die Sonnenhitze gegen Mittag bis auf ca. 30°. In der letzten Woche hat ein Arbeitskommando, zu dem auch unser Zugtrupp gehörte, den ganzen Tag draußen in der prallen Sonne im Sand gebuddelt. Ich bin dabei sehr braun geworden, denn wir arbeiteten von morgens 7 bis abends 5 Uhr mit freiem Oberkörper. Die Sonne brennt einem kolossal auf dem Pelz, und wehe
dem, der eine empfindliche Haut hat; der ist im nu verbrannt. Ich habe auch einen leichten Sonnenbrand abbekommen, doch geht er schnell wieder weg. Da ich nur noch ganz wenig Hautcreme habe, schickt mir bitte eine Dose Nivea. Ebenso bitte ich um einen „Monopol“-Büchsenöffner, denn mein alter ist an den Flügelschrauben verbogen. – In den nächsten Tagen werden wir wieder auf den Rädern sitzen und zu einer anderen Gegend, wer weiß, wohin?, fahren. Übrigens sind wir jetzt froh, daß wir noch die Räder haben, denn jetzt, wo die „Straßen“ einigermaßen befahrbar sind, haben wir es besser als die Infanterie.
Anbei schicke ich zwei Zulassungsmarken. Die dritte war leider abgerissen. Hoffentlich klappe es noch einmal damit.
Heute mittag gab es eine kräftige, dicke Bohnensuppe und anschließend Pudding. Wir sind alle mächtig satt geworden.
Lieber Vater, ich schicke Dir heute einige Rauchwaren. Hoffentlich schmecken sie Dir gut.
Es freut mich immer wieder, wenn ich in Euren lieben Briefen lese, daß Ihr treu für mich betet. Wir Soldaten brauchen Euer Gebet unbedingt. Karfreitag haben wir wieder wie an den Vortagen gebuddelt, und man findet kaum Gelegenheit, sich zu besinnen. So geht es oft, und deshalb freue ich mich über Eure Gebetshilfe, da sie mein fehlendes Gebet ersetzt. Selbstverständlich gedenke ich auch Euer im Gebet. So sind wir denn über die große Entfernung hin doch eng verbunden in Gott.
Ich wünsche Euch alles Gute und sende einen frohen Ostergruß,
Euer Karl Heinz