Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 5. Mai 1943

Rußland, den 5.V.43.

Meine Lieben!

Nachdem wir nun einige Tage regnerisches Wetter hatten, lachte uns heute morgen wieder die strahlende Sonne vom blauen Himmel entgegen. Das ist auch gut so, denn heute abend werden wir weiterziehen, der Front zu. Wenn Ihr diesen Brief bekommt, liege ich wieder im Einsatz. In der Zeitung steht nächstens bestimmt etwas über die – jetzt noch kommenden – Kämpfe bei Charkow. Dann wißt Ihr, daß ich mit dabei bin. Macht Euch nun aber keine Sorgen um mich. Ich schreibe absichtlich, daß wir zum Einsatz kommen, damit Ihr Euch nicht sorgt, wenn die Post von mir in nächster Zeit weniger wird. Bisher ist mir nichts passiert, und ich hoffe, daß auch weiterhin alles gut geht. Gott wird mich schützen und mir helfen. Dazu möge Euer Gebet beitragen. Im übrigen sehe ich der Zukunft ruhig entgegen: Herr, Dein Wille geschehe!

Ich muß Euch noch mitteilen, daß ich mich inzwischen ans Schnapstrinken gewöhnt habe, da wir ja oft bei der Marketenderware Cognac und Likör bekommen. Nichtraucher bin ich aber immer noch!

Einen frohen Gruß sende ich Euch,

Euer Karl Heinz