Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 7. Mai 1943
Rußland, den 7.V.43
Meine Lieben!
Endlich haben wir gestern – und heute schon wieder – Post bekommen, gleich eine ganze Menge. Euch danke ich herzlich für die Briefe vom 20.IV., 26.IV., die Karte vom 23.IV. und die beiden Päckchen mit Schere und Bonbons. Besonders habe ich mich über die Fotos gefreut. Für die Karten ebenfalls meinen Dank. Ich schicke sie wieder zurück zum Aufbewahren. Die Ansichtskarten von Steele sind schöne Erinnerungen an eine bessere Zeit, die hoffentlich wiederkehrt.
Es freut mich, daß Ihr prompt meine Wünsche erfüllt. Die Schere ist prima, wie ich sie mir wünschte. Nun ist mir heute dummerweise mein Taschenmesser pascholl (russisch, h. weg) gegangen. Ich bitte daher – ein solches Instrument ist nämlich für den Landser unentbehrlich -, mir das Messer aus dem Weihnachtspaket von Scheepers zu schicken. Das Taschenmesser brauche ich außer dem großen noch, das unterwegs ist.
Liebe Mutter, Du schreibst immer von Urlaub; leider kann ich Euch da gar keine Hoffnungen machen. Die ersten Urlauber von uns sind diese Woche gefahren. Daß natürlich immer nur ganz wenige fahren können, ist ganz klar, und ob regelmäßig zwei Mann von unserer Schwadron je Woche fahren können, ist auch fraglich. Jedenfalls ist für mich in diesem Jahr keine Aussicht.
Übrigens bekamen wir gestern pro Mann eine Tafel Cremschokolade (100 g). Fein, was? – Es freut mich, daß es Gisbert scheinbar doch noch gelingt, Offizier zu werden. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Günter hats ja auch nicht schlecht. Von beiden bekam ich gestern Post. – Maurer ist immer noch in unserem Zug. Er ist zackiger M.G.-Schütze I. – Es freut mich, daß Vater in Form des fleißigen Lehrmädchens wenigstens etwas Hilfe hat. Lieber Fritz! Dein abgeschriebenes Gedicht ist ja interessant. Hoffen wir, daß alles zutrifft. Meine bescheidene Meinung ist, daß wir Weihnachten 44 Frieden haben. Dieses Jahr geht es hier bestimmt zu Ende, und im nächsten Jahr kommt England dran. – Übrigens verbitte ich mir die „schnobbelige Uniform“, da in Ihr der zu achtende Landser steht! Glaubst Du, wir könnten hier in Tangoanzügen den Russen bekämpfen?! – Für die Zeitungen und Illustrierten danke ich.
Und nun zu unserer Lage! Vorletzte Nacht fuhren wir 40 km weiter der Front zu. Wir haben unsere Zelte im Wald aufgeschlagen. Leider ist das nächste Wasser, ein Bach, 1 ½ km entfernt. Jeden morgen wird sich dort gründlich gewaschen. Die Front – Hauptkampflinie – ist ca. 4 km vor uns. Hier herrscht lebhafte Fliegertätigkeit. Wir rechnen mit baldigem Einsatz; mehr darf ich nicht schreiben. Mir geht es immer noch gut.
Nun sende ich Euch herzliche Grüße,
Euer Karl Heinz.
Ich schreibe doch oft genug?