Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 27. Mai 1943
Rußland, den 27.V.43.
Meine Lieben!
Gestern erhielt ich Vaters Brief und Mutters Zeilen, wo für ich vielmals danke. Es freut mich, daß Vater schon wieder aufstehen darf. Hoffentlich klappt es nun, daß Vater ein schönes Fleckchen zur Erholung findet. Er hat eine gründliche Ausspannung verdient und nötig. Und schon wieder 3 Zähne weg! Da hat Vater ja bald keinen echten Zahn mehr. Ja, ja, man wird alt.....
Die Fotos habe ich immer noch nicht. Es wird wohl noch etwas dauern. – Liebe Mutter, Du schreibst vom „Bereitsein“. Der Leitspruch der Pfadfinder hieß: Allzeit bereit. Diesen Satz sollte heute jeder sich tief ins Herz schreiben und danach handeln. Wer in dieser Zeit sich aufschließt zu allem Großen und Hohem, wer bereit ist für die ewigen Dinge, der findet den Weg auch durch alle Wirrsal des Krieges.
Mir geht es immer noch gleich. Ich bitte, mir Brausepulver zu schicken. Das ist für die heißen Tage sehr angenehm. Man kann sich dann etwas Erfrischendes mit Wasser machen. Schickt ruhig einige 100g.-Päckchen voll. Auch „Haag-Cola“.
Für heute sende ich Euch die herzlichsten Grüße,
Euer Karl Heinz