Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 14. Juli 1943
Rußland, den 14.VII.43.
Meine Lieben!
Gestern und heute erhielt ich das 2 kg-Paket mit Marmelade (einfach herrlich!), Nudeln, Puddingpulver, Würfel, Pralinen, Süßstoff, Kuchen und Bonbons; 100 g-Päckchen mit Löffel, Suppenwürfel, Puddingp. + Rotstift, Mundharmonika, Seife; dazu Vaters lb. Karte vom 29.VI. und Zeitungen. Für alles sage ich meinen allerbesten Dank. Leider kann ich im Augenblick nicht alles so richtig auskosten (Suppenwürfel, Nudeln verwahre ich; die Marmelade muß ich schnell futtern, da ich sie nicht lange mit herum schleppen kann – wodurch sie nichts an ihrer Köstlichkeit einbüßt). – Das ist ja Pech, daß „Rheinwest“ kaputt ist. Hoffentlich ist der Schaden für Dich, lieber Vater, nicht zu groß.
Zu unserem Krieg: Der Russe, dem unsere Truppen im Rücken sitzen, versucht verzweifelt durch Angriffe auszubrechen. Es gelingt ihm aber trotz zahlenmäßiger Überlegenheit nicht. Daß die Kämpfe nicht ohne Verluste abgehen, ist klar. Gestern wurde ich – erschreckt nicht – „verwundet“. Vor meine Deckung, 1 ½ m von mir weg, schlug eine Granate ein. Ich bekam einen ganz winzigen Splitter gegen die Oberlippe, die für einige Minuten etwas blutete. Nun sieht man schon fast nichts mehr von der „Wunde“. Ich werde das aber melden wegen des Verwundetenabzeichens, daß ich vielleicht auf diese billige Art bekommen werde. Da hab ich mal wieder, wie so oft schon, Glück gehabt. Meinem Leutnant ging es schlechter; ihm schlug eine Granate dicht neben dem Kopf ein, so daß er schwer verwundet wurde. Soldatenglück muß man eben haben – und Gottvertrauen. Bis jetzt hat sich immer noch beides bei mir gezeigt.
Nun grüße ich Euch recht herzlich,
Euer Karl Heinz
Fritz zieht morgen ja den Zivilrock aus. Na, ich wünsche ihm alles Gute und viele Abschüsse.