Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 19. Juli 1943
Rußland, den 19.VII.43.
Meine Lieben!
Ich vergaß, Euch mitzuteilen, daß wir alle ein Päckchen erhielten mit der Aufschrift: Für Frontsoldaten im Großkampf. Darin waren Plätzchen, Schokolade, Bonbons, Zigaretten usw., kurz etwas, was einen richtig erfreute. Leider habe ich das Päckchen während des Kampfes aus dem Brotbeutel verloren, ohne es angebrochen zu haben.
Hier im Lazarett geht es mir ausgezeichnet. Gerade habe ich das Buch von Dostojewski: „Erniedrigte und Beleidigte“ gelesen. Die Verpflegung ist hier tadellos. Morgens bekommen wir Kaffee und Butterbrote (immer fertig geschmiert), mittags Essen und meistens Nachtisch. Freitag gab es Pudding, Samstag frische Aprikosen (das erste Obst, das ich hier esse!), gestern Pudding. Um drei Uhr gibt es wieder Kaffee und ein Butterbrot, abends Milchsuppe, Kaffe und Brote. Gestern (Sonntag) abend gab es sogar Kakao! Ich bin noch am gesündesten von unserem Haus, in dem 12 Leichtverwundete liegen. Nachher werde ich einen schwerverwundeten Kameraden besuchen, der auch in diesem Lazarett liegt. Unser Pfleger, ein Baier, ist in Ordnung. – Die Mundharmonika habe ich verschenkt, denn man mußte sehr stark hineinblasen, um Töne herauszubekommen. Wenn Ihr eine gute „Schnuffelrutsch auftreiben könnt – ich glaube es ja kaum, denn ich weiß, wie knapp die sind – würde ich mich darüber freuen. Aber es muß schon was Gutes, vielleicht sogar eine Hohner sein, sonst hat es keinen Zweck. Die Mundharmonika kann ruhig schwerer sein als 100 g, denn Ihr könnt sie ja gelegentlich mit einem Kilopäckchen schicken. Näht bitte aus Leinen einen Beutel dazu mit Druckknopf. Wenn aber nichts daraus wird, ist es auch gut, bin auch so zufrieden.
Frohe Grüße,
Euer Karl Heinz