Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 15. August 1943
Rußland, den 15.VIII.43.
Liebe Eltern!
Ich kann Euch die erfreuliche Mitteilung machen, daß wir heute morgen katholischen Gottesdienst hatten. Es würde manchem „guten“ Christen gut tun, einmal so selten das Hl. Opfer feiern zu können, damit er den Wert erkenne – und danach handle! Ebenso ist es mit der hl. Kommunion. Vielen könnte man heute zurufen: „Daß Du es doch erkenntest..., aber Du hast nicht gewollt!“ Daß es eine wichtige Aufgabe der Heimat ist, für die Front zu beten, vergessen heute leider auch viele, die sich Christen nennen. – Heute morgen konnte ich auch zum Tisch des Herrn gehen.
Ich habe hier einen Kameraden gefunden, Abiturient und H.J. Führer, mit dem ich mich seit einigen Tagen jeden Abend über alle möglichen Dinge und Probleme unterhalte. Wenn auch unsere Weltanschauungen auseinander-
gehen, so sind die Gespräche doch inhaltsreich, da jeder die Meinung des anderen achtet. Wir unterhielten uns über Kunst und Wissen, Philosophie, Religion und anderes. Viel sprachen wir über Jugendarbeit in H.J. und in der früheren Jugendbewegung. Es sind die schönsten Stunden, diese Abendunterhaltungen, die ich in meiner Lazarettzeit erlebte. Man findet selten Menschen beim Kommiß, mit denen man sich so unterhalten kann.
Liebe Eltern! Es ist möglich, daß Ihr die Post wieder zurückbekommt. Bewahrt sie solange auf bis ich Euch darum schreibe. Es kann sein, daß ich von hier aus nicht direkt zu meiner Einheit komme, sondern erst zu einem Ersatzhaufen hinter der Front. Unsere Schwadron ist aufgelöst worden und hat unsere Abteilung jetzt außer der schweren Schwadron noch 2 Schwadronen, die durch 50 Mann Ersatz auf die Beine gestellt wurden. Wenn ich wieder nach vorne komme, werde ich viel fremde und wenig bekannte Gesichter sehen!
Einen frohen Sonntagsgruß sendet Euch
Euer Karl Heinz