Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 21. August 1943
Rußland, den 21.VIII.43.
Liebe Eltern!
Heute morgen kam ich glücklich wieder bei meiner Einheit an. Gestern fuhr ich von Poltawa nach Krasnograd mit einem Güterzug, von dort auf drei verschiedenen Autos bis Merewa zum Meldekopf, wo ich abends ankam. Heute morgen fuhr ich dann mit einem Krad die paar km bis zum Troß unserer Abteilung. Es hat sich hier viel geändert. Meine Schwadron ist aufgelöst und werde ich einer anderen Schwadron zugeteilt. Meine Feldpostnummer bleibt gleich. Wie mir eben der Hptwm. mitteilte, sind meine Privatsachen und meine Post wieder zurückgeschickt worden. Schickt mir also bitte sofort wieder die Sachen zurück. Ich weiß nicht, was Ihr bekommen habt und stelle deswegen kurz die Sachen auf, die ich brauche: Kamm (Metall), Rasierzeug (Apperat, Seife, Pinsel, Klingen, kein Spiegel), das kleine rotgestreifte Handtuch (das blaue Handtuch brauch ich nicht), 2 Stck. Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, mein Schreibzeug (falls alles in der Hülle Euch geschickt worden ist mit Füllhalter, Wolle, Creme, schickt das zurück, aber ohne Füllhalter. Andernfalls schickt mir eine kleine Schreibmappe [so groß wie
dieser Bogen] mit Feldpostbriefen, 5 Karten, 10 Umschlägen mit Bogen), 2 Stopfnadeln, 2 Nähnadeln, weißes Nähgarn, etwas Wolle (grün), ein Wehrpaßzelluloidhülle, 1 Dose Schuhcreme (mittelgroß), 2 starke Putzlappen, 1 Tube Uhu, etwas Klebpapier. Vorläufig das. Meine Post schickt mir bitte sofort hierher (48583). Bezüglich der Päckchen bitte ich, mir vorläufig Puddingpulver, Suppenwürfel usw. nicht zu schicken, da ich wohl vorerst keine Gelegenheit haben werde, diese Dinge zu verwenden. Also nur „Freßpakete“ oder erbetene Gebrauchsgegenstände schicken. Schickt mir da bitte einen kleinen Büchsenöffner (..). Anbei lege ich 10 Fotos, die Ihr bitte aufbewahrt. Ebenso geht an Euch Geld ab. – Morgen mittag fahre ich wieder nach vorn. – Gerade hörte ich, das mein Kamerad Jekstadt ein Päckchen für mich aus dem Urlaub mitgebracht hatte. Ich danke Euch dafür. Da ich so lange weg war, ist das Päckchen unter meinen Kameraden aufgeteilt worden, weil es sonst ja schlecht wurde. Hoffentlich hat es Ihnen gut geschmeckt; ich hatte es ja nicht schlecht während der Zeit und konnte auf Päckchen verzichten. – Luftpostmarken und Päckchenmarken habe ich diesen Monat nicht bekommen. – Wie ich eben zu meiner Freude erfuhr, habe ich das Sturmabzeichen bekommen. Schickt mir bitte das Abzeichen (nicht die Urkunde dazu!).
Ebenso zu meiner Freude hat sich meine Anschrift geändert (siehe Absender!). – Ich bitte, mir noch eine Kleiderbürste, eine Schuhblankbürste, alles möglichst klein, zu schicken. Das Schuhputzzeug tust Du, liebe Mutter, am besten in einen kleinen Stoffbeutel, den Du, falls Du meinen alten Beutel nicht bekommen hast, mir ja nähen kannst. Mit meinen Wünschen mache ich Euch, liebe Eltern, viel Arbeit, aber es ist nicht meine Schuld, daß die ganzen Sachen zurückgeschickt wurden. Ich denke, daß es Euch lieber ist, daß Ihr mir die Sachen wieder schicken könnt, als wenn die Klamotten als „Nachlaßsachen“ bei Euch angekommen wären. Aber Spaß bei Seite!
Bezüglich Urlaub kann ich Euch leider keine großen Hoffnungen machen. Von meiner Schwadron (der Troß existiert noch), kann ich natürlich nicht in Urlaub, weil sie aufgelöst ist. Ich werde nun bei der neuen Schwadron wegen Urlaub nachfragen.
Wie ich von einem Urlauber hörte, soll Essen am 25.VII. schwer angegriffen worden sein, wobei auch Steele viel abbekommen haben soll. Ich hoffe, daß es Euch noch gut geht und unser Haus keinen allzugroßen Schaden erhalten hat. – Die Post nach hier hin läuft schlecht. Seit dem 5.VIII. ist erst zweimal Post angekommen. Ich habe hier keine Post vorgefunden, weil alles gleich zurückgeschickt wurde.