Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 15. September 1943

Rußland, den 15.IX.43

Liebe Eltern!

Seit gestern morgen sind wir wieder in Ruhe. Wir lagen in einer ausgebauten Stellung, d. h. es waren Gräben und kleine Unterstände vorhanden. Drei Nächte lagen wir vorne, ein Tag hatten wir dauernd Regen. Die Sandgräben hatten teilweise Grundwasser, stellenweise knietief, weshalb sie seitlich einbrachen. Die Füsse waren dauernd naß und am ersten Tag der ganze Körper. Dazu kam, daß die Waffen versandeten und leicht hemmten. Der Russe war auch aktiv, und so schien sich alles gegen uns zu verschwören. Aber wir haben trotz aller widrigen Umstände auch diesen Einsatz bezwungen. Ich führte eine Gruppe von zwei Mann, deren MG-Schütze noch nicht eingespielt ist, so daß ich auch noch dauernd MG-Schütze war. Nun führe ich, nachdem wir neu eingeteilt sind, eine Gruppe mit zwei MGs (8 Mann). Ein Uffz, der bald aus dem Urlaub kommt, soll sie führen,

und ich dann das zweite MG. Der Uffz ist ein alter Klassenkamerad von der Penne (aus Kray) von mir. Jetzt warten wir wieder auf neuen Einsatzbefehl. – Übrigens, genau so, wie mein Urlauber-Päckchen gefuttert worden ist, so bekommen wir öfter von Gefallenen und Urlaubern Päckchen. – Anbei lege ich zwei Zulassungsmarken und vier Luftpostmarken. – Schickt mir bitte einen kleinen Pinsel zum Waffenreinigen. – Ihr könnt mir auch über die Fpnr. 23059 schreiben, weil ich dann die Post etwas eher bekomme; zu dieser Einheit bin ich ja jetzt kommandiert (1. Schwadron, früher war ich in der 3. Schw.). – Gerade bekomme ich eine Illustrierte und Eure Karten vom 2. und 3.9. wofür ich bestens danke. Wann kann ich mal wieder bei Lützenrath einkehren? – Vater schickte ich ein Päckchen Zigaretten. – Mir geht es noch immer gut. Für heute die besten Grüße,

Euer Karl Heinz