Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 8. Oktober 1943

Rußland, d. 8.X.43.

Liebe Eltern!

Inzwischen habe ich das silberne Verwundetenabzeichen schon bekommen. Am 5. d. M. wurden wir abends abgelöst. Wir hofften, nun endlich mal ein paar Tage in Ruhe zu kommen. Nachts kamen wir im Dorf an, aßen und pennten. Am anderen Morgen wurde Körperpflege betrieben. Am Nachmittag sollte ein Abteilungsappell sein, doch um 1 Uhr wurde Alarm gegeben. Schnell konnten wir noch Essen und Verpflegung fassen, dann ging’s auf L.K.W.s fort. Der Russe war mal wieder durchgebrochen, und wir machten einen Gegenangriff. Ich kam bis auf zehn Meter an eine Stellung heran, warf, leider wirkungslos, eine Handgranate und wurde durch den Splitter einer feindlichen Handgranate im rechten Oberschenkel getroffen. Eine zeitlang führte ich noch meine Gruppe und ging dann mit einem anderen Verwundeten zum Verbandsplatz. Meine vierte Verwundung ist Gott sei

Dank nur gering. Ich bin für einige Tage zum Troß gefahren, damit die kleine Wunde heilt. Jetzt kann ich mich mal wieder vernünftig waschen, kann gemütlich und gut essen, ruhig schlafen usw. Meine Wäsche habe ich waschen lassen; und so habe ich für mich ein paar Tage Ruhe, was viel wert ist. – Ich erhielt weitere vier 100g-Päckchen mit Seife, Kamm, und Brausepulver, wofür ich herzlich danke. – Anbei lege ich zwei Luftpostmarken. – Auf der Urlaubsliste stehe ich jetzt bei den ersten 5 Leuten. Hoffen wir das Beste! – Sonst gibt es nichts Neues zu berichten. Schickt mir bitte meine Taschenlampe complett mit Batterie. Für heute genug.

Frohe Grüße sendet Euch

Euer Karl Heinz

Ich schickte gestern an Vater ca. 170 Zigaretten.