Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 9. Oktober 1943
Rußland, den 9.X.43.
Liebe Eltern!
Soeben erhielt ich das 2 kg Päckchen mit Kuchen, Bonbons und Hag-Cola, etliche 100g-Päckchen mit Rasierzeug, -Pinsel, Seife, Bonbons, Kleiderbürste, Schuhcreme, Handtuch und Putzlappen, Artifex, dazu Euren Brief vom 26.IX. und Gisberts Brief vom gleichen Datum. Für alles danke ich Euch recht herzlich. Der Kuchen und die Bonbons schmeckten prima. – Vater wird ja jetzt dick in der Arbeit stecken, wenn 2 Kräfte im Geschäft ausfallen. Umsatzverdoppelung – Mensch, das ist ja enorm! Was Ihr da schreibt von O.B.-Bewerbung ist gut gemeint, aber nicht durchzuführen. So schnell bin ich gar nicht Schnäpser geworden, denn viele Kameraden meines Jahrgangs sind schon Monate vor mir befördert worden. In unserer Abteilung und zumal hier an der Front geht das eben ziemlich schnell. Daß
ich Gruppenführer gewesen bin, ist nur auf Führermangel zurückzuführen. Ich habe gegenüber den Leuten vom Nachersatz nun mal eine ziemlich lange Ausbildung gehabt, bin auch so nicht der Dümmste und ziemlich vernünftig – na, dann ist es nichts besonderes, wenn man bei den vielen Ausfällen Gruppenführer wird. An Beförderung zum Uffz. ist natürlich überhaupt nicht zu denken. Da muß ich schon wenigstens 2 Jahre beim Barras sein. Ich bin viel zu wenig Soldat, als daß man mich als O.B. gebrauchen kann. Außerdem verzichte ich auf Lehrgangsbetrieb. Also: Euer Vorschlag ist gut gemeint, aber nichts für mich! – Mit Urlaub müßt Ihr Euch noch gedulden. Ich tu es auch. Die Lage ist hier bewegt, so daß nur wenige in Urlaub fahren. – Anbei Päckchen- und Luftpostmarken. – An Vater schicke ich 24 Eckstein und 24 Attikah (jawohl: Attikah!).
Für heute sende ich Euch herzliche Grüße,
Euer Karl Heinz