Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 17. Oktober 1943
Rußland, den 17.X.43.
Liebe Eltern!
Gestern erhielt ich Mutters Briefe vom 28.IX. und 8.X. (Luftpost), wofür ich vielmals danke. Hoffentlich hat es geklappt, daß Du, liebe Mutter, Dich 8 Tage bei Tante Nettchen etwas ausruhen konntest. Tante Aloysia schrieb mir schon aus Bonn, als sie Tante Nettchen besuchte. – Liebe Mutter, Du schreibst von Winterstellungen. Ja, da sieht es noch übel aus, denn der Russe macht uns mit seinen Brückenköpfen diesseits des Dnjepr viel zu schaffen. Solange sich die Front noch nicht beruhigt hat, ist auch an mehr Urlaubsscheine nicht zu denken. Jetzt kommen die Platzkarten nur einzeln angetrudelt. Trotzdem habe ich die Hoffnung, Euch noch in diesem Jahr zu sehen. Am schönsten wäre es ja, wenn ich
auf Weihnachten nach Hause käme, aber an so viel Glück wage ich kaum zu denken. – Auf den Namenstagskuchen freue ich mich schon. Auf die Bilder von Gisbert bin ich gespannt. Fritz ist 1,82 m groß? Donnerwetter, dann ist er ja der Größte von uns! – Ich freue mich, liebe Eltern, daß Ihr so viel für mich betet. Es tut aber auch not. Wie seid Ihr glücklich, so oft Ihr wollt in die Kirche gehen zu können. Ich habe seit über zwei Monaten keinem Gottesdienst mehr beiwohnen können. Dabei braucht der Soldat ganz besonders Gottes Gnade. Ich stelle mein Sein und mein Tun in Gottes Hand und hoffe dadurch in seiner Gnade zu bleiben. – In wenigen Tagen werde ich wieder zum Einsatz kommen. Vorne werde ich fast nur fremde Gesichter vom Nachersatz sehen. Die meisten alten Kameraden sind verwundet oder gefallen. – Anbei einige Fotos (gemacht Juni-Juli), die mir ein Kamerad zusandte. Leider sind sie nicht scharf. Es wird doch Zeit, daß ich mich selbst mal vorstelle, damit Ihr mich richtig seht.
Einen frohen Gruß sendet Euch
Euer Karl Heinz