Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 12. November 1943
Lemberg, den 12.XI.43
Liebe Eltern!
Noch liege ich auf der Krankensammelstelle in Lemberg. Scheinbar fahren nicht genug Lazarettzüge ins Reich, so daß wir noch warten müssen. Gestern wurde ein Teil der Verwundeten verladen; sie waren schon 5 Tage entlaust. Ich bin heute nun den 4. Tag hier. Vielleicht komme ich dann Sonntag weg. Ich bin froh, wenn ich endlich im Zug bin, denn auf einer Krankensammelstelle zu liegen ist kein Vergnügen. Sie sind eben nur für Durchgang eingerichtet und
nur mangelhaft ausgerüstet. Die Verpflegung ist mäßig. Im BL-Zug wurden wir besser verpflegt. Na, die Hauptsache ist ja, das ich satt werde, und dafür sorge ich schon. – Ich sandte Euch vor einiger Zeit (Ich glaube im Brief vom 17.X. abgeschickt.) den Abschnitt einer Zahlkarte – ich glaube in Höhe von ca. 60 RM – meiner Einheit. Ich möchte nun wissen, ob Ihr nach dieser Geldsendung von meiner Einheit nochmals Geld bekommen habt und wieviel. Falls eine Abrechnung dabei war, bitte ich um Abschrift. Ich habe nämlich noch einige Löhnungen zu bekommen. Sobald ich Euch meine Anschrift vom Heimatlazarett mitgeteilt habe, bitte ich, mir darüber zu schreiben. Man soll dem Barras nichts schenken.
Wenn wir mal etwas zu zahlen haben und es fehlen nur 50 Pfg., dann wird ein großes Geschrei gemacht. In meinem Fall handelt es sich aber um ca. 40 RM, was ja kein Pappenstiel ist. – Wenn ich aus dem Bett heraus will, muß ich mich schon an Krücken fortbewegen, die gottlob zur Verfügung stehen. Dies geschieht jeden Tag, wenn ich dahin gehe, wohin der Kaiser sogar zu Fuß hin muß .....
Für heute die besten Wünsche und viele Grüße
Euer Karl Heinz