Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 19. November 1943
Vaihingen, den 19.XI.43.
Liebe Eltern!
In Vinniza sagte mir der katholische Wehrmachtspfarrer, meine Krankheit (die Schleimbeutelentzündung) hätten sie als Studenten die katholische Krankheit genannt (vom vielen Knierutschen). – Gerade komme ich frisch gewaschen aus der Badewanne. Allmählich gewöhne ich mich wieder an Kultur. Meine Mähne wurde vorhin auch abgemäht. Wenn ich mich hier umsehe und das weiße, saubere Federbett, die reine Stube, die netten Schwestern betrachte, dann möchte ich fast glauben, Rußland wäre nur ein schwerer Traum gewesen, ich hätte nie im Schützenloch gesessen. Und doch war es bittere Wirklichkeit, gegen die sich freilich mein jetziges Dasein wie der Himmel gegen die Hölle ausnimmt. – Die Verpflegung ist wirklich prima. Es gibt morgens 1. und 2. Frühstück, mittags Essen, nachmittags Brot und abends Essen. Äpfel esse ich jeden Tag genug. Wir bekommen nicht selten Salat, - und Milch gibt’s. – Liebe Eltern! Falls Ihr vorhaben solltet, mich besuchen zu kommen, bitte ich Euch, davon abzustehen. Ich komme nämlich doch in einigen Wochen nach Hause. Dann lohnt sich auch die Fahrt nicht und schließlich soll man die Bahn nicht unnütz belasten. – Meine Wunden heilen gut. Es bildet sich schon langsam eine Haut. – Wie geht es Euch? Ich warte mit Spannung auf die erste Post von Euch. Was macht der Geschäftsbetrieb? Ist der Kundenandrang immer noch so toll? Jetzt vor Weihnachten wird wohl viel nach Geschenkartikeln gefragt, aber ich glaube, daß die meisten Leute nicht zufriedengestellt werden können.
Einen frohen Gruß,
Euer Karl Heinz