Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 23. November 1943

Vaihingen, den 23.XI.43

Lieber Vater!

Ich danke Dir für Deine Zeilen, die Mutter mir mitbrachte. Gestern nachmittag war hier ein Varieté, das ich mir mit Mutter ansah. Es war ganz nett. Übrigens: muß ich vor Dir als Truppführer stramm stehen und Ehrenbezeugung machen? Haben’se Dich da mal wieder dran gekriegt. Du bist doch auch Luftschutzwart für unsere Straßenseite bis zum Rechtsanwalt. Jetzt fehlt bloß noch, daß Du gemustert und zur Heimatflak eingezogen wirst. – Mit den Arbeitskräften im Geschäft sieht es ja auch mau aus. Wen hast Du denn noch als Verkäufer(-in)? – Schicke mir

bitte die Urkunde über das EK II., damit ich die Eintragung ins Soldbuch vornehmen lassen kann. Ebenfalls schicke mir ein silbernes Verwundetenabzeichen und ein Sturmabzeichen, falls Du das bekommen kannst. Mit meiner Uniform sind nämlich auch die Abzeichen futsch. Sie wurde bei der Entlausung vertauscht. – Mutter läßt sagen, daß sie Donnerstag abend hier abfährt und Freitag morgen dort ankommt. Mit dem Mittagszug zu fahren ist zwecklos, weil Mutter dann um Mitternacht in Altenessen ankommt. Morgens fährt kein Zug. Zur Bahn sollst Du nicht kommen, da die Züge leicht Verspätung haben. – Wie sehr ich mich über Mutters Besuch freue, brauche ich wohl nicht zu schreiben.

Für heute herzliche Grüße,

Dein Karl Heinz

Gestern war alles in bester Stimmung beim Variete. Karlheinz ist obendrauf. Hoffentlich klappts mit dem Urlaub zu Weihnachten. Habe den Arzt noch nicht gesehen.