Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 28. November 1943

Vaihingen, den 28.XI.43.

Liebe Eltern!

Jetzt ist Mutter schon wieder ein paar Tage zu Hause. Ich danke Dir, liebe Mutter, nochmals recht herzlich für Deinen Besuch und für die vielen guten Sachen, die Du mühsam mitgeschleppt hast. – Bezüglich des Führerpaketes habe ich schon mit dem Oberzahlmeister gesprochen. Er sagte, es stünde mir selbstverständlich zu und ich bekäme es bei meiner Entlassung. Wegen des Jahresurlaubs war ich auf dem Geschäftszimmer. Dort sind inzwischen die Angaben über unsere Ersatztruppenteile eingegangen. Morgen gehe ich wieder hin, und wird dann an den Ersatzhaufen geschrieben. Hoffentlich klappt es, daß ich Genesungs- und Jahresurlaub in einem bekomme. – Hier in der Kantine kann man dasselbe Schreibpapier kaufen, was Mutter mir aus dem Ort mitgebracht hat. Ich habe mir noch was gekauft. – Wie ich eben hörte, kann man von hier aus Theaterurlaub nach Stuttgart bekommen. Anfang der Woche geht einer durch die

Zimmer mit dem Spielplan. Man kann sich dann wählen, wohin man will. Mittags fährt man mit dem Zug nach Stuttgart und ist abends gegen ½ 11 wieder zu Hause. Hoffentlich kann ich auch noch mal diese Gelegenheit ausnützen. – Gegenüber im Zimmer haben die Landser einen kleinen Adventskranz gemacht und aufgehängt. Ich kann ihn vom Bett aus sehen. – Vorgestern schneite es hier, doch ist jetzt fast nichts mehr davon zu sehen. – Die Bücher von Gulbransson, die Mutter mir von der Studienrätin mitbrachte, gefallen mir sehr gut. – Heute mittag kam endlich Mutters Brief an, für den ich vielmals danke. Er hat dreimal so viel Zeit für den Weg gebraucht wie mein erster Brief. Hoffentlich kommt die Post nächstens schneller. Gleich werde ich auch an die Einheit schreiben. – Ich vergaß noch, Vater für die Zeitungen und Illustrierten zu danken.

Frohe Grüße,

Euer Karl Heinz