Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 1. Dezember 1943

Vaihingen, den 1.XII.43.

Liebe Eltern!

Gestern erhielt ich Vaters Einschreibsendung mit Brief, wofür ich vielmals danke. Fein, lieber Vater, daß Du mir alles besorgt hast. Mein Zimmerkamerad Anton läßt für die Zahnbürste danken und vielmals grüßen. Mutter hat aber Pech mit ihrer Heimfahrt gehabt. Ein Glück, daß Vater nicht zur Heimatflak braucht. Mit den Kräften im Geschäft sieht es ja nicht sehr günstig aus. Der Umsatz ist ja erstaunlich. Soviel ich weiß, war der Jahresumsatz 42 knapp unter dem des Jahres 38. Na, wenn ich in Urlaub komme, werde ich wohl noch manchmal staunen in Bezug auf geschäftliche Dinge. Vater muß mir dann mal alles zeigen, z. B. die neue Eisenmarkenwirtschaft und die heutige Bedarfslenkung usw. Wenn man ein Jahr aus dem Beruf heraus ist in dieser

Zeit, wo alles sich laufend verändert, hat man schon in manchem keinen Kontakt mehr. Berufsentfremdung soll man aber nicht unterschätzen. Hast Du, lieber Vater, absichtlich einen Firmenbogen als Briefpapier benutzt, um mir die beiden Änderungsstempel zu zeigen? Daß wir eine neue Telefonnummer haben, ist mir neu. Die Änderung des Gründungsdatums war ja schon längst fällig. Übrigens werde ich mich im Urlaub mal in die alten Geschäftsbücher vertiefen. Hoffentlich können wir 1946 das 200-jährige Bestehen unseres Geschäftes zu einer großen Werbung ausnützen. – Mir geht es nach wie vor gut.

Für heute viele Grüße,

Euer Karl Heinz