Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 9. Dezember 1943

Liebe Eltern!

Heute war ich in Ludwigsburg, um mich einkleiden zu lassen. Ich habe nun außer Feldmütze, Feldbluse und Mantel prima neue Sachen: Hemd (mit Kragen), Unterhose (prima), Strümpfe, Pullover, Gebirgsjägerhose, Schuhe. Die Tour war natürlich anstrengend, aber nun kann ich, wenn ich will, auch mal ausgehen. – Ich fahre entweder am 20. oder 21.XII. in Urlaub und muß am 28. bzw. 29.XII. wieder hier sein (18 Uhr). Ich habe mich darum bemüht mit der zweiten Rate zu fahren, damit ich den zweiten Weihnachtstag auch noch zu Hause bin. – Als ich gestern den Arzt fragte, ob ich heute mit meinen Kameraden nach L. fahren dürfe, mußte ich vor ihm ohne Krücken

gehen. Da meinte er, warum ich überhaupt noch Krücken benutze. Und es geht ja auch so! – Der Stabsarzt hielt mich an: „Kranz, Sie müssen mir mal was vorspielen.“ „Wenn ich vom Weihnachtsurlaub zurückkomme, bringe ich Noten mit, Herr Stabsarzt.“ „Können Sie nach Noten spielen? Ich habe Noten hier.“ „Ja, wenn ich sie nicht zu schwer sind.“ „Na, dann machen wir mal zusammen eine Musikstunde.“ Na, ich bin gespannt! – Brief vom 4. und Karte vom 5.XII. dankend erhalten. Liebe Mutter, schicke mir die Päckchen aus Rußland nicht nach hierhin. Verwahre dies, bis ich wieder draußen bin. – Lieber Vater, schicke mir das „Eberswalder Offertenblatt“ nicht. Es hat keinen Zweck, mich in die Einzelheiten hineinzuknien, wenn ich den Gesamtüberblick verloren habe. – Schickt mir bitte ein paar Schulterklappen mit orangefarbigem Rand (Reiterfarbe).

Für heute viele Grüße,

Euer Karl Heinz