Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 14. Dezember 1943
Vaihingen, den 14.XII.
Liebe Eltern!
Für Mutters Brief vom 10.XII. besten Dank. An ein Verlegenlassen ist kein Denken, denn bis der Antrag mal genehmigt wäre, bin ich schon entlassen. Außerdem möchte ich selbst es nicht gerne. Ich lege Wert auf ungestörten Schlaf. – Heute morgen war katholischer Gottesdienst. Leider wurde das Altarssakrament nicht gespendet. Es waren nur neun Mann da – nach Angabe der Schwester eine große Zahl – und darunter noch ein Protestant! Es wurde ein Hirtenbrief des württembergischen Bischofs verlesen. – Gestern schrieb ich Euch so sicher von meinem Urlaub, doch will ich Euch nicht verheimlichen, daß es noch nicht so sicher ist. Zwar ist der Papierkram alle in Ordnung, doch hat der Stabsarzt noch am letzten Tag die endgültige Entscheidung. Mein Urlaub ist nämlich mit Vorbehalt genehmigt worden.
Ich schrieb Euch, glaube ich, mal, daß meine rechte Schnittwunde schon geschlossen sei. Es hatte sich jedoch nur eine Kruste gebildet. Durch eine leichte Eiterung ist die Wunde immer noch geöffnet. Der Stabsarzt sagte, daß die Wunde sich vor allem durch die Bahnfahrt so verschlimmern würde, daß ich dadurch einen Monat länger liegen müsse und einem anderen Verwundeten das Bett wegnähme. Er könne es mir noch nicht versprechen, daß ich fahre. Er hat recht, leider. Nun, ich werde nun brav im Bett bleiben. Vielleicht klappt es doch noch. Andernfalls bitte ich Euch, mir keinen Jammerbrief zu schicken. Ich werde auch so Weihnachten schön verleben. Aber noch habe ich ja Hoffnung. Anton trumpft schon auf: „Ich hab es ja gleich gesagt...“. Mir kann keener, auch nich eener, an de Wimpern klimpern! Und die gute Laune habe ich immer noch.
Frohe Grüße
Euer Karl Heinz