Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 9. Februar 1944
Vaihingen/Enz, den 9.2.44
Liebe Eltern!
Zunächst gratuliere ich Vater recht herzlich zu seinem Namenstag. Schade, daß ich nicht mitfeiern kann. Na, das wird alles nachgeholt.
Mutters Brief vom 6.2.44 habe ich heute morgen bekommen. Ich danke vielmals dafür. Wieso meinst Du, liebe Mutter, Fritz sei in Bezug auf seine Berufswahl beeinflusst worden? Meinst Du von mir? Ich hab ihm doch nicht vom Dolmetscher was erzählt, sondern er mir! Übrigens ist dieser Beruf auch garnicht so schlecht. Hoffentlich klappt es, daß er Luftwaffen-K.O.B. wird. Daß Fritz nun etwas straffer gehalten wird, ist bestimmt kein Schaden. – Und Du, liebe Mutter, hast arge Zahnschmerzen. Ich hoffe, daß es nur an diesem Tag war und weiter nichts zu sagen hatte. Oder willst Du noch krank werden, wo ich in kurzer Zeit in Urlaub komme? Am Montag bin ich von Frau Beil eingeladen worden. Ich trank mit ihr und ihrem Sohn, der gerade das Abitur gemacht hat und Chemie studieren will, Kaffee. Nachher haben wir uns ganz nett unterhalten. Dann sind wir zu einer Gastwirtschaft gegangen und haben gut zu Abend gegessen (mit Fleisch, aber wir brauchten keine Marken zu geben). Nachher sind wir wieder zur Wohnung zurück gegangen und plauderten zusammen mit einem Pauker und Kollegen der Frau Beil. Gestern nachmittag kam der Sohn zu mir.
Wir gingen etwas spazieren, spielten Schach und haben uns über interessante Dinge unterhalten. Leider mußte er heute wieder nach Stuttgart. Frau Beil will ich in der nächsten Woche nochmal besuchen. – Zur Entlassung bin ich noch nicht untersucht worden. Vielleicht morgen. Vorher vor meiner Entlassung werde ich noch Blut spenden, was den Vorteil hat, daß ich einige gute Dinge zusätzlich bekomme. Heute ist von mir bereits eine Blutprobe gemacht worden für die Übertragung um zu prüfen, ob ich gutes Blut habe. Übrigens habe ich meine Marken für das Führerpaket schon lange bekommen nebst Geld und einer Pulle Sekt. Es gibt da sehr viel Weißmehl. Sonst gibts nichts Neues zu berichten.
Frohe Grüße,
Euer Karl Heinz