Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 23. Februar 1944

Vaihingen/Enz, den 23.2.44

Liebe Eltern!

Ich danke vielmals für Mutters Briefe vom 18. und 19.2. – Heute habe ich meine Zusatzverpflegung fürs Blutspenden bekommen: ½ Pfd. Butter, 1 Pfd. Wurst, 8 Eier, Äpfel, 5 RM und 1 Flasche ital. Rotwein, den wir Sonntag trinken können. Ja: „wir“, denn Samstag werde ich entlassen, fahre mittags nach Essen, mache 24 Stunden Fahrtunterbrechung und fahre Montag morgen nach Paderborn. Ich komme mit demselben Zug wie Weihnachten (Ankunft in Essen 1.12 Uhr). Fein, was! Vom R.A.D.-Mädel erzähle ich Sonntag. Frau Beil ist immer noch in Stuttgart krank. Die Marken für das Führergeschenk bringe ich Sonntag mit. Warum ich die Pulle nicht getrunken habe, lieber Vater? Na, Du weißt doch, daß ich nicht scharf darauf bin. – Gestern abend war wieder Alarm. Abends werden dann die Betten der bettlägerigen Patienten in den Keller geschleppt, wenn Krankensicherung ist, und morgens gleich nach dem Wecken wieder hoch. Das ist nun schon drei Nächte so gegangen. Ein zweifelhaftes Vergnügen, abends und morgens ca. 15 Betten zu transportieren! Ich habe viel Arbeit durch die neuen Patienten und durch etwa 15 Entlassungen in dieser Woche.

Frohe Grüße bis Sonntag, Euer Karl Heinz