Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 2. März 1944

Neuhaus, den 2.3.44

Liebe Eltern!

Heute morgen habe ich mich zum Rapport gemeldet. Ich habe nun Jahresurlaub und Genesungsurlaub genehmigt bekommen, so daß ich 30 Tage in Urlaub komme. Auf meinen Wunsch fahre ich erst am 15.III. hier weg und habe dann bis zum 13.IV. Urlaub. Dadurch bin ich auf meinem Geburtstag zu Hause und auf Ostern. Außerdem habe ich die Gewißheit , wenn Gisbert überhaupt auf Urlaub kommt, daß ich ihn antreffe. Ich fahre dann wahrscheinlich mittags 13.29 Uhr mit dem E.m.W.218 (früher komm ich hier nicht weg), der 15.55 Uhr in Essen ankommt. Zwei Wochen bin ich also noch hier. Beim Rapport habe ich mich als K.O.B. bezw. als R.O.B. gemeldet. Zufällig war Lt. Ludwig dabei, der mich in Frankreich im Rekrutenzug und in Rußland eine zeitlang in seiner Schwadron geführt hatte. Dieser hat

sich bereiterklärt, mir ein Führungszeugnis mit Befürwortung der Ernennung zum K.O.B. zu schreiben. Dies geht dann zum Kommandeur. Wenn ich angenommen bin, komme ich in die Schwadron z. B. V. (zur besonderen Verfügung) und werde bei nächster Gelegenheit zu einem K.O.B.-Lehrgang geschickt. Von dort werde ich, wahrscheinlich als Uffz., zur Frontbewährung weg und komme dann auf die Kriegsschule. – Hoffentlich seid Ihr, liebe Eltern, mit diesem Schritt einverstanden. Ich glaube, es ist so am besten für mich. – Die Verpflegung ist hier gut, der Dienst nicht zu streng. Gerade ist wieder Alarm. Da muß ich in den Keller.

Frohe Grüße

Euer Karl Heinz

März 1944