Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 18. April 1944

Hamb, den 18.4.44.

Liebe Eltern!

Soeben erhielt ich Euren lieben Brief vom 16. d. M., für den ich herzlich danke, ebenso für die Zeitungen.

Ein Beispiel unserer guten Verpflegung: Am Sonntag Mittag gab es eine gute Fleischbrühe, Kopfsalat, Schweinebraten, Kartoffeln mit Soße, Pudding. Wir bekommen immer halb Weiß-, halb Graubrot. Morgens gibt es ab und zu Milch zu trinken. Der Garten ist hier wohl groß, aber wir dürfen den größten Teil, nämlich den bebauten, nicht betreten. – Drei Wochen werde ich kaum hier bleiben, obwohl ich es hier bestimmt aushalten kann. Ein Besuch lohnt sich nicht, da bei den hiesigen Verhältnissen wir nur ein paar Stunden zusammen sein könnten. Urlaub kann ich auch nicht bekommen. – Es freut mich, daß Mutter sich mal ein paar Tage ausspannt. Ich wünsche Dir gute Erholung, liebe Mutter! Du hast es verdient. – Da hast Du, lieber Vater, ein interessantes Interview gehabt mit dem Kriegsberichter. Hoffentlich schickt man Dir ein Exemplar dieser Schrift.

Am Sonntag Morgen war ich natürlich hier im Gottesdienst. Nachher habe ich wohl eine Stunde auf der kleinen Orgel gespielt. Nachmittags ging ich mit Kameraden zum Kino nach Sonsbeck (eine Stunde Weg). Zurück gingen wir durch den Wald. Es lief der Film: „Maske in Blau“, ein großer Revuefilm. – Wir haben hier herrliches Wetter. Morgen haben wir wieder Ausgang. Dann werden wir den Film „Die kluge Marianne“ sehen. Glaubt nicht, ich sei kinosüchtig; man freut sich immer über jede Abwechslung. Ich spiele jeden Tag einige Stunden Schach und lese auch etwas. – Heute wurde mir Blut zur Untersuchung abgezapft. Mein Urinbefund ist einwandfrei. Ich fühle mich sehr wohl. – In der letzten Nach war ich zum ersten Mal hier im Keller, ½ Stunde. Die letzten Bomben sind hier vor zwei Jahren in die Felder gefallen.

Frohen Gruß,

Euer Karl Heinz.