Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 10. Mai 1944

Neuhaus, den 10.5.44.

Liebe Eltern!

Für Eure Briefe vom 5. und 7. d. M. danke ich herzlich, ebenso für die Zahnbürste, die ich heute auch erhielt.

Gestern war ich zum Augenarzt und bekam eine schärfere Brille verschrieben. Ihr könnt mir den Gefallen tun und meine Zivilbrille (sie liegt in meiner linken Kommodenschublade) zum Optiker bringen, damit er mir sphärische Gläser beiderseits ./. 1,00 B.K.E. einsetzt. Ich hatte bisher ./. 0,75, und in meiner Zivilbrille sind, glaube ich, noch Gläser mit ./. 0,5 B.K.E. – Gestern abend habe ich in Paderborn geschlemmt und außer Suppe und dicken Reis (als Stammgericht) ein riesiges Omlet mit Marmelade gegessen. – Heute war hier Probealarm. Wir wurden mit Waffen, Munition und allem Klimbim ausgerüstet und machten einen Ausmarsch, 10 km oder mehr. Die Invasion wirft auch hier ihre Schatten voraus. – Gestern war ich mal kurz bei Wilhelm Salberg. Wir haben uns verabredet, Sonntag einen Ausflug zum Haxergrund zu machen. – Der Antrag für Arbeitsurlaub ist noch nicht hier eingetroffen.

Frohen Gruß,

Euer Karl Heinz