Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 13. Juni 1944

Essen-Steele, den 13.6.44

Liebe Eltern!

Heute morgen erhielt ich Eure Briefe vom 8. u. 10. d. M. und die Karte vom 11.6. Ich danke Euch vielmals. Es klappt nach wie vor alles. Fritz kam heute nachmittag. Er wird morgen zur schweren Flack (10,5 cm) an der Essener Straße versetzt. Er ist jetzt mit einem Kameraden ins Kino gegangen. – Wir haben heute den großen und den kleinen Hof gespritzt und aufgeräumt. Der Betrieb im Laden ist mittelmäßig stark. Es kommen immer mal Leute, die Dich, Vater, sprechen wollen. Die werden Dir, wenn Du zurück bist, wegen rarer Artikel die Bude einrennen. Ich wimmel sie alle ab, wenn ich sie nicht kenne. Und wen kenne ich schon? Übrigens habe ich einige Zahlungen durch Postscheck vorgenommen, die weg mußten und mit „i. A. Kranz“ unterschrieben, dazu Deinen Unterschriftsstempel. Heute schickte ich 1500 Mark zur Bank. – In der letzten Nacht war ein halbstündiger Großangriff auf Essen. Steele blieb Gott sei Dank wieder verschont. Hauptsächlich Nordessen und Gelsenkirchen sind mitgenommen worden.

Es freut mich sehr, daß sich das Wetter gebessert hat. So habt Ihr doch noch ein

paar schöne Tage. Bleibt nur bis Samstag. Die Arbeit läuft Euch nicht weg. Heute brachte .X. Eier, Butter und Vollmilch. Ich habe bisher 5 l Magermilch beim Milchbauer bekommen.

Ich wünsche Euch noch recht gute Erholung.

Frohen Gruß,

Euer Karl Heinz

P.S. Entschuldigt das Strafporto. Ich habe es wohl übersehen, die Zeitungen frei zu machen.