Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 27. Juli 1944
Essen-Steele, den 27.7.44
Liebe Mutter, lieber Fritz!
Dies ist nun mein letzter Brief von Steele an Euch. Die nächste Post von mir werdet Ihr bei Eurer Rückkehr zu Hause vorfinden. Für Eure Zeilen seid herzlich gedankt. Mutter kann beruhigt sein: ich nehme eher zu viel als zu wenig mit nach Paderborn.
Ich lege einen Brief bei, den Gisbert mir schickte. Ich brauche ihn nicht mehr.
Gestern abend feierten wir meinen Abschied und gleichzeitig Anni Albers’ Namenstag. Es waren sehr frohe Stunden. Als sich das Volk allmählich alle eingefunden hatte – zu meiner Freude war alles erschienen: 7 Mädel und Dotz – begannen wir den Abend mit einigen netten Flötenduetten. Schade, daß Mutter nicht zuhören konnte.
Nachher wälzten wir noch einige Probleme, waren aber zum Schluß in einer frohen, heiteren Stimmung, wie auch zu Anfang und den ganzen Abend. Das Namenstagskind hatte noch einen herrlichen Rodonkuchen mitgebracht. Ein Stück davon habe ich jetzt noch mit Vater zum Kaffee gegessen (So habe ich doch noch Abschiedskuchen gehabt!). Nachher brachten wir das Namenstagskind mit seinen Blumen und Gaben nach Hause. Es war wirklich fein.
Nun bin ich noch wenige Stunden zu Hause. Doch der Abschied fällt mir nicht schwer, so schön es auch im Urlaub war. Es kann nicht immer Feiertag sein. Aber freuen tu ich mich schon auf den nächsten Urlaub, gleich, wann ich ihn bekomme. – Dir, liebe Mutter, danke ich recht herzlich für all das Gute und Liebe, das Du mir im Urlaub gegeben hast. Du bist doch die Beste!
Mit guten Wünschen und frohem Gruß,
Euer Karl Heinz
P.S. Heute morgen habe ich die Wohnung geputzt und alles von gestern wieder säuberlich aufgeräumt. Mutter soll keinen Saustall finden!