Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 24. Juli 1944
Essen-Steele, den 24.7.44
Liebe Mutter, lieber Fritz!
Hoffentlich seid Ihr gut angekommen. Das Wetter scheint ja schön zu werden, trotzdem es gestern regnete.
Nun ein kurzer Fahrtbericht! Wir kamen planmäßig in Drevenack (Endstation) an. Die 1 ½ Stunde Weg mußten wir (Herbert B. und ich) leider im Fisselregen zurücklegen, doch war nur die Windjacke naß geworden. Wir gingen dann zum Pfarrer W., der mir einen Wink zum Quartiermachen gab. Wir fanden denn auch bald auf den ersten Anhieb eine Unterkunft, nämlich zwei beieinanderliegende Höfe, wo wir, Jungen und Mädel getrennt, im Stroh herrlich schliefen. Abends kamen die Übrigen nach, und wir gingen zur Kirche, wo wir die Komplet sangen mit den anderen, die dorthin aus Aachen, Düsseldorf u. a. Städten gekommen waren (ca. 30 Leute waren wir). Am anderen morgen waren wir um ½ 7 Uhr in der Messe (Gemeinschaftsmesse). Anschließend holten wir unser Gepäck von den Quartierleuten, um im Heim mit den anderen den Tag zu verbringen. Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken gingen wir nochmals zur Kirche, da eine Choralmesse gesungen wurde. Pfarrer W. führte uns später in die Kunst M.’s ein; er tat das auf eine sehr feine Art. Ich glaube, es gibt nicht viele solcher prächtiger Herren wie W. (63 Jahre alt). Nachmittags sangen wir draußen noch manch schönes Lied, und wir waren alle recht froh.
Mittags hatten wir übrigens prima gegessen. Einige Mädel kochten für alle (mittags aßen wir mit 25 Leuten an einem langen Tisch) eine tadellose Eintopfsuppe mit Pudding. Bevor wir abends (nach 6 Uhr) wieder loswanderten, gabs nochmal eine Suppe. Wir hatten auf dem Rückmarsch noch ein tüchtiges Brausebad über uns ergehen lassen müssen, doch hat uns das nicht im mindesten erschüttert. Um ½ 11 Uhr war ich wieder zu Hause.
Nun wünsche ich Euch gute Erholung und grüße Euch herzlich,
Euer Karl Heinz
Liebe Mutter! – Montag vormittag.
Beifolgender Brief mit Foto kam heute morgen. Was ist der Junge mager geworden. Die mitgenommenen Illustrierten schicke bitte an Günters neue Adresse. Mit der heutigen F.A.Z. schicke ich Zeitungsstreifen und [.?.] mit. Hoffentlich ist das Wetter nun dort auch besser geworden.
Herzliche Grüße, auch Fritz
Dein Gisbert