Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 11. August 1944

Neuhaus, den 11.8.44

Liebe Eltern!

Für Vaters Zeilen vom 9.8. und 10.8. mit den Feldpostbriefen danke ich herzlich. Die Post läuft ja ziemlich schnell.

Heute fuhr ich zum letzten Mal Kohlen. Ich bin die dreckige Arbeit auch leid. Man sieht aus wie ein Schwein. Heute nachmittag muß ich auf Torposten ziehen, eine schlechte Wache. Während der 24 Stunden muß ich 12 Stunden stehen bei zweistündiger Ablösung. Schlafen kann ich da nicht viel. Dafür werde ich dann wenigstens Sonntag wachfrei sein (nicht dienstfrei!).

Die Auskämmung des Einzelhandels ist nicht verwunderlich. Es werden jetzt alle nur eben entbehrlichen Leute eingezogen, sogar Bergleute. Bei den Rekruten, die jetzt hierherkamen, sind tolle Typen vertreten. Es werden jetzt sehr viele Soldaten abgestellt. Wenn ich nicht in den Lehrgang käme, müßte ich auch dieser Tage weg. – Daß Du Frl. Vollmer freigeben willst, und Lukassen die Büroarbeit übernehmen soll, ist vernünftig. Hoffentlich will man nur nicht noch einen Angestellten holen.

Was hat bloß das W.M.A. von mir gewollt? Hast Du es nicht erfahren können? – Bezüglich Urlaub für Silberne Hochzeit: Vorläufig kann ich da noch nichts unternehmen, da ich zu der Zeit (2.10.) wohl gar nicht mehr hier sein werde. Wir müssen also abwarten, was mit mir geschieht. Ich laß vor-

läufig mal alles seinen Gang laufen.

Ich möchte ja mal wissen, wer unseren Pastor zu dem Entschluß brachte, die erste Messe um 7 Uhr zu beginnen! – Für heute Schluß!

Frohen Gruß,

Euer Karl Heinz