Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 20. August 1944

Paderborn, den 20.8.44.

Liebe Eltern!

Noch kann ich Euch noch nichts Genaues mitteilen über meine Versetzung. Es hat den Anschein, daß ich noch etwas hier bleibe. Ihr könnt mir also ruhig Zeitungen und Post zuschicken. Hoffentlich habe ich weiterhin ein so geruhsames Leben wie in den letzten Tagen. – Gestern abend war ich zur Vesper gegangen; es war fein. Vorher nutzte ich noch die Gelegenheit, zur Beichte zu gehen, aus. Heute morgen mußte ich mit einigen Leuten zum S.A.-Wehrschießen in die Senne. Heute abend fahre ich nach Neuhaus, um den Uffz. zu besuchen, den ich ansprach, als ich mit Dir, liebe Mutter, zum Bahnhof ging. Dieser leitete übrigens auch das Singen der Vesper. Vorher gehe ich natürlich zur Kirche nach Paderborn.

Anbei lege ich Rauchermarken, die Ihr Günter schicken sollt. Ich weiß nicht, ob er noch seine alte Fpnr. beim Einsatzhaufen behält, und da Ihr seine Anschrift dann eher erfahrt als ich, bekommt Günter so die Marken schneller.

Neuerdings (seit gestern) dürfen die Gaststätten an Soldaten auch gegen Marken kein Essen mehr abgeben, wenn diese nicht dazu einen Ausweis oder eine Bescheinigung haben. So habe ich mit Mutter hier das letzte Mal draußen gegessen. Die Marken verwahre ich mir dann für den Lehrgang; diese neue Verfügung gilt nämlich nur für den Standort Paderborn.

Wir dürfen sonntags erst ab 18 Uhr die Kaserne verlassen! Die Verfügung, daß sonntagsnachmittags wieder dienstfrei sei, ist anscheinend erfunden worden. Na, ich brauche trotzdem keinen Dienst heute nachmittag zu machen.

Einen frohen Sonntagsgruß,

Euer Karl Heinz