Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 24. September 1944

Wilhelmsberg, den 24.9.44

Liebe Eltern!

Ihr müßt Euch nicht wundern, wenn ich nun nicht mehr so häufig schreibe. Der Dienst läßt mir nicht mehr so viel Zeit wie früher. Das heißt nicht, daß ich es schlecht hätte; wir müssen uns eben so langsam auf die Kriegsschule vorbereiten.

Habt vielen Dank für Eure beiden Briefe vom 19. und 20. d. M. Die Post kommt jetzt ziemlich unpünktlich und unregelmäßig an, aber so lange ich überhaupt noch Post erhalte, bin ich schon zufrieden. – Ihr werdet jetzt sicher auch manche Sorge mehr um Eure

eigene Zukunft haben, wo der Feind bedrohlich nahe steht. Ich glaube aber nicht, daß man die Bevölkerung des Industriegebietes evakuieren wird. Wo sollten denn die riesigen Menschenmengen untergebracht werden? Daß Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen, ist klar. Aber wir sollen hoffen, daß unsere Heimat nicht zum direkten Kriegsgebiet wird.

Fein, daß Mutter wieder einmachen konnte. Auf den Preiselbeerpudding in meinem nächsten Urlaub freue ich mich jetzt schon. Zum Thema Urlaub: Meine Aus-

sichten sind gering, doch habe ich noch – freilich schwache – Hoffnungen.

Was mag Gisbert tun? Wir wollen uns auf Gott verlassen. Im Übrigen müssen wir mit allem rechnen.

Wir sind schon wieder umgezogen, diesmal nur innerhalb der Kaserne in einen anderen Block. Ich liege nun mit 5 Kameraden auf einer großen Stube. Viel Neues gibt es sonst nicht zu berichten. Ich muß noch andere Briefe beantworten. Seid daher für heute recht herzlich gegrüßt von

Eurem Karl