Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 4. Okrober 1944
Wilhelmsberg, den 4.10.44.
Meine Lieben!
Nach langer Fahrt im Bummelzug kam ich heute morgen gegen drei Uhr im Kasernement an. Den Weg vom Bahnhof bis hierher legte ich halb zu Fuß, halb mit dem Auto zurück. Im Zuge habe ich fast immer sitzen können. Hier konnte ich nicht viel Neues erfahren. Meine Kameraden wurden gestern eingekleidet, was ich heute nachholte. Wann wir zur Kriegsschule kommen und wohin ist immer noch nicht bekannt. Ich denke, daß wir in einigen Tagen fahren.
Ich danke Euch, liebe Eltern, für die schönen Urlaubstage, die ich daheim verbringen durfte, recht herzlich. Es war der Abschluß einer für mich in mancher Beziehung schönen Zeit. Bald beginnt wieder der harte Alltag, der „Ernst des Lebens“.
Manche schöne Erinnerung des vergangenen Jahres wird mir in der Zukunft Lichtblick sein. Doch nicht an dem, was war, will ich kleben bleiben, sondern mutig dem Kommenden entgegengehen. Mit einem wenig Selbstbewußtsein und viel Gottvertrauen wird’s gelingen.
Anbei lege ich die Urkundenabschrift, die ich jetzt ja nicht mehr benötige. Die Rauchermarken sind für Vater bestimmt, zur Auffrischung des gesunkenen Bestandes. – Sonst in Paderborn nichts Neues. Ein Angriff auf diese Stadt hat nicht stattgefunden.
Froh grüßt Euch
Euer Karl