Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 7. Okrober 1944

Wilhelmsberg, den 7.10.44.

Meine lieben Eltern!

Heute mittag erhielt ich die traurige Nachricht von Günters Tod. Ich kann Euch nicht beschreiben, wie mir dabei zu Mute war. Nachdem ich meinen ersten Schmerz überwunden hatte – ich hatte einen stillen Platz unter Kiefern bei der Kaserne aufgesucht -, fand ich Trost im Gebet. Indem ich mich im schmerzhaften Rosenkranz in das Leiden unseres Herrn vertiefte, schien mir mein Schmerz gegenüber dem unsagbar großen Christi noch gering. Wie könnte ich klagen im Angesichte solchen Leides!

Liebe Eltern, wir wollen demütig unser Fiat sprechen und uns in Gottes Willen fügen. Er hat heimgeholt, was ihm gehört, und wir können nicht traurig darüber sein, daß Gott unseren Günter für reif zur Ernte gehalten hat. Bringen wir das

Opfer, das Gott von uns fordert, willig zum Segen für unser Volk. In dieser Gesinnung wollen wir für Günter beten, damit Gott ihm ein gnädiger Richter sei. „Herr, gib ihm den Frieden, den die Welt nicht geben kann.“

Es bittet mit Euch, liebe Eltern für Günter

Euer Karl