Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 13. November 1944
Wilhelmsberg, den 13.11.44
Liebe Eltern!
Leider fehlt mir die Zeit zu einem langen Brief. Ich will Euch in wenigen Zeilen das Wichtigste mitteilen.
Heute morgen war hier in der Kantine kath. Gottesdienst, an dem ich teilnehmen konnte. Es war zwar alles ziemlich mäßig, aber das Wesentliche, die Opferfeier bleibt sich gleich, ob im Dom oder im Speisesaal. Es waren ca. 180 Leute, fast nur Rekruten, da.
Ab morgen früh bin ich Ausbilder. Dann wird die Freizeit wieder ein wenig beschränkt. In den letzten Tagen mußte ich eine schriftliche Lage ausarbeiten für den Geländedienst. Besonderes habe ich sonst nicht zu melden. Ich hoffe, daß Ihr meinen Einschreibebrief bekommen habt und daß Vater die nötigen Schritte unternommen hat zwecks Arbeitsurlaub. Von Euch bekam ich weder Post noch Zeitungen. Letztere bitte ich mir wieder zuzuschicken.
Wie geht es Dir, liebe Mutter? Ich hoffe, daß Du Deine Krankheit bald überstehst. Schone Dich nur ja, denn arbeiten kannst Du immer noch, leben aber nur einmal.
Hoffentlich habt Ihr nicht schon wieder einen Angriff gehabt. Hier höre ich nicht viel von der Welt. Alarm ist hier auch nicht selten.
Ich wünsche Euch alles Gute.
Eine frohen Sonntagsgruß,
Euer Karl