Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 19. November 1944
Wilhelmsberg, den 19.XI.44
Liebe Eltern!
Für Vaters Zeilen vom 14. d. M. mit dem Brief danke ich vielmals. Mich wundert es, daß mein erster Brief an Euch, den ich sogar noch per Einschreiben schickte, so lange unterwegs ist. Hoffentlich ist er inzwischen angekommen und hat Vater den Antrag für Arbeitsurlaub gestellt. – Es freut mich, daß Mutter wieder besser ist. Hoffentlich schonst Du Dich nun auch genügend. – Lukassen ist wieder krank; da wird es ja Zeit, daß ich in Arbeitsurlaub komme. Meine Hoffnungen diesbezüglich schwinden zwar langsam mit jedem Tag, weil der Abstellungstermin immer näher rückt.
Von mir kann ich nicht viel Neues berichten. Ich bin weiterhin als Ausbilder tätig. Da bleibt mir nicht viel Zeit.
Zudem liege ich auf einer großen Stube mit noch 7 Mann (Uffz.), so daß man auch nicht viel Ruhe zum Schreiben und Lesen findet. Es ist dauernd Störung. – Gestern abend war ich in P. zur Vesper. Anschließend war ich in Neuhaus beim Georg. Heute hoffe ich in P. zu einem Kreis beim Vikar Reinecke zu kommen. Anschließend hören wir dann am Radio Bruckners 8. Symphonie, und zum Schluß gehe ich zum Dom. – Anbei schicke ich Euch einige Post von mir, die Mutter bitte in meinen Briefkarton in meiner untersten Kommodenschublade legen soll. Durchlesen kannst Du sie ruhig. – Eine Zeitung bekam ich auch von Euch. Die Post läuft aber sehr unregelmäßig. – Entschuldigt meine schlechte Schrift; ich habe eine neue Feder im Halter, an die ich mich erst gewöhnen muß.
Einen frohen Sonntagsgruß sendet Euch
Euer Karl