Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 29. November 1944

Wilhelmsberg, den 29.XI.44

Liebe Eltern!

Immer noch habe ich keine Nachricht von Euch, seit ich das Telegramm bekam. Auch Euren Einschreibebrief habe ich noch nicht erhalten. Ich mache mir schon Sorgen, wie es denn bei Euch steht. Heute morgen war ja schon wieder ein Angriff auf Essen. Gebe Gott, daß Euch nichts Schlimmes zugestoßen ist. Es ist furchtbar, so im Ungewissen zu sein, wie es um Euch, liebe Eltern, und um unser Hab und Gut steht. Gott prüft uns hart; mögen wir dadurch geläutert werden.

Von mir gibt es nicht Neues zu berichten. In einigen Wochen werden wir wohl endgültig abhauen. – Das Urlaubsgesuch ist immer noch nicht hier eingetroffen. Ich glaube auch nicht, daß ich noch etwas erreichen werde. – Mein Dienst besteht weiterhin im Ausbilden von Rekruten. Da habe ich nicht allzuviel Zeit. Sonst geht es mir aber gut. Wenn nur nicht die Sorgen um Euch, liebe Eltern, und um Gisbert wären. Doch wir wollen nicht verzagen und mutlos werden.

Ich grüße Euch mit innigen Wünschen recht herzlich

Euer Karl