Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 27. Dezember 1944
Wilhelmsberg, den 27.XII.44
Liebe Eltern!
Am Montagabend kam schon um ½ 9 Uhr der ziemlich leere Zug nach Berlin. Um 1 Uhr war ich in Herford – ich fuhr so weit, weil ich glaubte, von dort besser nach Paderborn zu kommen. Der nächste Zug nach Detmold fuhr erst nach 7 Uhr, so daß ich gezwungen war, noch 6 Stunden im Wartesaal zu verbringen. Nach einstündiger Fahrt im lausig kalten Zug kam ich in Detmold an, wo ich Straßenbahnanschluß erhielt. Nach 11 Uhr kam ich glücklich in Paderborn an. Ich hatte die ganze Fahrt sitzen können. In P. ging ich erst zur hl. Messe und fuhr dann zur Kaserne, um gerade zum Mittagessen zurechtzukommen.
Nachmittags ging ich mit meinem Freund Willi zum Kreis nach Elsen, der dort ein Weihnachtssingen veranstaltete. In der Kirche spielte uns mein Kamerad Heribert auf der Orgel vor, und wir sangen einige Bach’sche Chorwerke. Abends saß ich noch
bei Hoffmanns. – Heute morgen schlief ich mich erst mal aus, und dann ging es ans Packen. Ich habe noch einen großen Rucksack empfangen, den ich gut gebrauchen kann. Heute nachmittag gehe ich wieder nach Hoffmanns, zusammen mit Heribert, der mit mir nach Bromberg fährt. Er hatte sich noch für mich eingesetzt, während ich weg war, damit ich mit zur Kriegsschule käme. Es fahren nämlich nur 26 Mann von uns. So sind wir wenigstens mit zwei Gleichgesinnten zusammen. Er hat schon eine Anschrift in Bromberg, wo wir auch einen solchen Kreis wie hier in Paderborn finden werden. Morgen früh geht die Reise los. Ich bin mal gespannt, wann wir in Bromberg ankommen.
Liebe Eltern! Recht herzlich danke ich Euch für den schönen Urlaub, den ich bei Euch verbringen durfte.
Hoffentlich bleibt Ihr weiterhin von den Fliegern verschont. Ich wünsche Euch ein gesegnetes Neujahr. Möge es uns ein Stück näher zum Ziel unseres Lebens bringen.
Herzlich grüße ich Euch, liebe Eltern, mit den besten Wünschen,
Euer Karl Heinz